Eine geheimnisvolle Begegnung


Eine geheimnisvolle Begegnung


(Dies ist eine Geschichte, die von einem Schauspieler und Kabarettisten, Edward D., in seinem Buch "Im Leben wie im Theater" erzählt wurde. Im Privatleben war er ein eher ernsthafter, und vor allem ein ehrlicher und glaubwürdiger Mensch. Ganz sicher war das kein Witz von ihm).





Im Jahr 1955 war Edward D. mal dienstlich in einer Großstadt im Süden des Landes. Er sollte im Hotel „Monopol“ übernachten, wo er ein Einzelzimmer reserviert hatte. Am Abend ging er ins Hotelrestaurant, um etwas zu essen. Im Raum befanden sich nur wenige Gäste, deswegen war er erstaunt, als er plötzlich eine Dame erblickte, die an seinem Tisch stand und fragte, ob sie ihn beim Abendessen begleiten dürfte.

Sie war schlicht, aber elegant angezogen, hatte gute Manieren, sprach eine schöne Sprache – Edward D. konnte sicher sein, dass sie eine kultivierte Person war, und kein „besonderes Personal“ des Hotels. So haben sie gemeinsam gegessen und gesprochen. Die Dame hat sich auch noch als belesen erwiesen, es war auch zu spüren, dass sie viele Länder bereist haben musste, und vieles über sie weiß. Es war für die meisten Einwohner des damals sozialistischen Landes einfach unmöglich, umso interessanter fand Edward sie.

Nach dem Essen hat sie vorgeschlagen, dass sie in ihrem Hotelzimmer noch ein Glas Cognac zusammen trinken. Der Schauspieler hat die Einladung angenommen. Bis ins spät haben sie sich noch mit Vergnügen unterhalten. Edward D. ließ sich von der Dame bezaubern, auch von dem ganz leichten, aber sehr schönen Duft in ihrem Zimmer. Was er interessant fand: sie sagte kein Wort über sich selbst, und wollte auch nichts Persönliches von ihm hören.

Am nächsten Morgen musste Edward D. ziemlich früh in die Stadt, um seine Angelegenheiten zu erledigen. Als er dann ins Hotel zurückkam, fragte er an der Rezeption, ob die Dame aus dem Zimmer so und so schon verreist wäre. Der Rezeptionist schaute ihm erstaunt zu, und sagte, dass dieses Zimmer seit zwei Tagen nicht mehr besetzt gewesen wäre. Er zeigte dem überraschten Schauspieler auch das Hotelmeldebuch, wo es wirklich keine Einträge für dieses Zimmer seit zwei Tagen gab. Hatte auch nichts dagegen, dieses Zimmer dem neugierigen Hotelgast zu zeigen.


Das Zimmer war sichtbar nicht mehr bewohnt; es gab auch keine Spur von dem schönen Duft von gestern Abend. In Gedanken versunken saß kurz darauf der ganz verwirrte Edward D. im Zug, der ihn wieder in die Hauptstadt bringen sollte. Es war ihm unheimlich; nicht das einzige Mal in seinem Leben war das, aber nie vorher – und auch nie nachher – so deutlich. Er hatte später gedacht, dass er auch noch den Kellner ansprechen konnte, der sie beide ja gestern Abend bedient hatte (oder doch nicht…?); es war nun aber zu spät.





(Titelbild aus dem Internet)

 

Kommentare (8)

Globetrotter

Liebe Christine,
war es ein Traum, war die Wahrheit? Auch wir werden es nicht erfahren. Die Einsamkeit hat schon vielen Menschen einen Streich gespielt. Ich habe die Geschichte gerne gelesen.
LG Gisela   

Christine62laechel

@Globetrotter  

Liebe Gisela, diese Geschichte steckt wirklich irgendwo dazwischen... Eines nur war sicher anders: mein Held war alles andere als ein einsamer Mensch. Er war sehr gesellig, und auch sehr beliebt. Also, einerseits möchte ich gerne die Lösung kennen, und andererseits: manchmal gefällt mir etwas, was ich nicht weiß, nicht verstehen kann. 

Mit herzlichen Grüßen
Christine

Rosi65

Liebe Christine,

im ersten Moment dachte ich an die ersten TV-Sendungen der 60er Jahre, in denen man mit versteckter Kamera ahnungslosen Leuten Streiche spielte. Damals liefen in den USA die beliebten Sendungen „Candid Camera“ und in Deutschland „Vorsicht Kamera“.
Möglich wäre ja, dass vielleicht Schauspieler-Kollegen den Herrn Dziewon`ski mit dieser rätselhaften Damenbekanntschaft nur etwas reinlegen wollten.
Nur dagegen spricht dann aber die übliche Aufklärungspointe, bei der sich der Verursacher später zu erkennen gibt, selbst wenn keine Kamera eingesetzt wurde.

So wird diese Geschichte, über die der Herr D. sicher lange gegrübelt hat, wohl für immer ein Rätsel bleiben.

Viele Grüße
    Rosi65

Christine62laechel

@Rosi65  

Bei uns hier, liebe Rosi, gab es diese Sendungen mit versteckter Kamera erst viel später, und auch eine polnische Version. Ich muss schon sagen, dass ich manche Witze echt unangenehm fand. Vor allem, wenn ein kleines Kind (von eigenen Eltern wohl?) in einer Situation verfilmt war, wo es von etwas bedroht war. Wenn nicht, dass es sich verletzt, dann dass es sehr erschrocken werden kann, oder sich schämen. 

Dass das Rätsel von Herrn D. ungelöst bleibt, finde ich dafür nicht so schlimm. Vielleicht wäre das noch ein Beweis dafür, dass es zwischen Himmel und Erde wirklich viel Spannendes geben kann. ❔❔❕ :)


Mit herzlichen Grüßen
Christine

werderanerin

Ja..., hier ist wohl einiges dann doch nicht so gewesen, wie gedacht, liebe Christine. Eine schöne und reizvolle Geschichte, die du aufgeschrieben hast...und solange her...

Herzlichst

Kristine

Christine62laechel

@werderanerin  

Liebe Kristine, solche Geschichten mag ich eigentlich nicht, denn als Kind hörte ich immer wieder solche, noch viel mehr "unheimlich", und man war dabei absolut unvernünftig oder einfach dumm, um nicht sehen zu können, dass sie mich sehr nervös und ängstlich machten. Na ja, das war einfach so.

Wenn es sich aber um diese Geschichte, und um diesen gerade Schauspieler handelt, da musste es etwas geben, was es doch möglich machte. Ganz sicher war er nicht so betrunken, um so einen Traum zu haben, und auch noch alle Details im Gedächtnis gespeichert? Jetzt habe ich mir erst gedacht: dies konnte doch ein Witz gewesen sein, nicht aber von Dziewoński gemacht, sondern - dem Dziewoński. Wer, warum, und vor allem - woher hätten diese Spaßvögel so eine interessante Dame, die auch jung gewesen sein müsste? Keine Ahnung. 😊


Mit Grüßen
Christine

Winterbraut

Liebe Christine,

deiner Geschichte bin ich gerne gefolgt und ich denke, dass Edward ein sensibler Mensch mit großer Fantasie war. Das Gespräch mit der geheimnisvollen Dame war vielleicht so intensiv, dass Träume in ihm wach wurden. Am nächsten Tag konnte er nicht realisieren, ob es Traum oder Wirklichkeit war. Schauspieler leben manchmal auch privat mit, bzw. in ihrer Rolle.

Liebe Grüße
Ingrid

Christine62laechel

@Winterbraut  

Also das nicht, liebe Ingrid: ganz sicher war Edward Dziewoński (1916-2002), den ich schon als Kind vom Fernsehen kannte, nicht sensibel. Zwar war er damals kaum 40 Jahre alt, zu der Zeit war man aber mit 40 schon ganz erwachsen, wenn nicht gar älter. 😊 Ich lese gerne alte Bücher; da kann man zum Beispiel lesen: "er tat als ob noch ganz jung, und der musste ja schon vierzig sein!" 

Das Buch von Edward D. erschien 1989, da war er über 70, und ein Mensch, wie man es nennt, einfach klasse. Was sollte die Geschichte im Hotel also gewesen sein? Sicher hat es sich so ereignet - nur, wo war der Haken...?

Mit herzlichen Grüßen
Christine

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