Ein paar Tage in Bellingen – und plötzlich atmet die Seele durch


Ein paar Tage in Bellingen – und plötzlich atmet die Seele durch
Mit Tahlira unterwegs in einer Welt aus Nebelwald, Mandolinenmusik und Walnussmagie

Ich war für ein paar Tage in Bellingen. Nicht zum ersten Mal, aber diesmal hatte ich Begleitung: meine neue Au Pair, Tahlira. Sie ist gerade erst aus Israel eingetroffen, Anfang zwanzig, voller Neugier – und Bellingen hat sie sofort in den Bann gezogen. Kaum hatten wir das Ortsschild passiert, war sie plötzlich ganz still. „Es riecht hier anders“, sagte sie. Ich nickte. In Bellingen riecht die Luft nach Eukalyptus, Lagerfeuer und Möglichkeiten.

Tahlira stieg aus dem Wagen, als wäre sie gerade in eine Filmszene geplatzt. Der kleine Ort lag in der Mittagssonne, Menschen schlenderten barfuß durch die Straßen, irgendwo spielte jemand Gitarre, ein Hund döste vor dem Café. „Ist das echt?“, fragte sie. Ich grinste. Bellingen ist nicht Instagram-perfekt – es ist echter. Schräger. Und wärmer. Auch im übertragenen Sinne.

Wir starteten unseren Tag im „5 Church Street“. Während ich mich mit dem Barista über den Unterschied zwischen mittelkräftig und kräftig stritt (er hatte recht), saß Tahlira da, die Hände um die Tasse gelegt, und beobachtete die Menschen. „Jeder hier sieht aus, als hätte er eine Geschichte“, sagte sie. Ich erwiderte: „Die meisten erzählen sie dir auch ungefragt.“
 

Später schlenderten wir über den Markt. Sie blieb vor einem Stand mit handgesponnener Wolle stehen, streichelte die Garne wie kleine Tiere. Ich verlor sie kurz aus den Augen – als ich sie wiederfand, saß sie auf einem Strohhocker und ließ sich von einer alten Dame die Kunst des Makramee erklären. Keine fünf Minuten später trug sie ein Armband mit einer kleinen Muschel dran – ein Geschenk. „Fürs Lächeln“, sagte die alte Dame.

Der Ausflug in den Dorrigo Nationalpark war für uns beide ein Höhepunkt. Ich hatte ja schon öfter auf dem Skywalk gestanden, aber diesmal war es anders. Tahlira blieb stehen, schaute auf das endlose Grün und flüsterte: „Es ist, als würde der Wald atmen.“ Danach schwiegen wir beide eine Weile – nicht aus Verlegenheit, sondern weil es nichts zu sagen gab, was der Wald nicht besser ausdrückte.

Zurück in Bellingen saßen wir später am Fluss, die Füße im Wasser, und teilten uns eine Tüte Walnüsse. Tahlira sagte: „Ich glaube, ich hab mich ein bisschen in Australien verliebt.“ Ich sagte: „Dann warte, bis du unsere Seeigel-Spaghetti probiert hast.“ Sie lachte. Ein echtes, herzliches, junges Lachen.

Am Abend tanzten wir im Pub. Also, sie tanzte. Ich hielt mein Bier und nickte im Takt. Irgendwann kam ein bärtiger Mann mit Hut zu uns rüber, verbeugte sich und forderte sie auf. Ich wollte schon was sagen – aber sie schüttelte den Kopf und blieb bei mir. „Ich hab schon den besten Tanzpartner“, sagte sie frech. Ich überlegte kurz, ob sie mich meinte – oder das Bier.

Bellingen war diesmal nicht nur eine Auszeit – es war ein Erlebnis, das ich durch Tahliras Augen neu sehen durfte. Und als wir wieder heimfuhren, fragte sie leise: „Können wir irgendwann zurück?“
Ich sagte nur: „Natürlich. Aber das nächste Mal tanze ich.“

Kommentare (0)

Anzeige