Durch das wilde Australien – (Anno 2002)


Durch das wilde Australien – (Anno 2002)
Australien ist ein Land der Extreme – endlose Weiten im Outback, dichter, dampfender Regenwald im Norden und einsame Küsten, an denen der Ozean ungestört auf das Buschland trifft. Wer sich von den Städten entfernt, findet eine Wildnis, die zeitlos wirkt. Keine Straßenlaternen, keine Geräusche außer dem, was die Natur selbst erschafft. Genau das suchten wir: meine Freundin Katie und ich. Zwei Abenteurer, ein Allradfahrzeug mit Dachzelt und viel Neugier auf das, was jenseits der Asphaltstraßen liegt. Wir waren nicht auf der Flucht – wir waren auf der Suche. Nach Stille, nach Weite, nach diesen besonderen Momenten, die sich ins Gedächtnis brennen.

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Das Outback war mehr als eine staubige Wüste. Abseits der Pisten versteckten sich Billabongs – stille Wasserlöcher, die nach Regenfällen zum Leben erwachten. Umrahmt von knorrigen Eukalyptusbäumen und rot glühenden Felsen befinden sich dort viele Fische und Krebse im oft trüben Wasser. Ein leiser Platscher, ein Zucken an der Angel – ein stiller Moment, dann das kräftige Ziehen der Schnur.  Abendessen gefangen. Wenn die Dämmerung hereinbrach, kamen die wahren Bewohner der Weite hervor: Kängurus und Emus zogen durch das flimmernde Licht, Dingos streiften durch das trockene Gras. Über uns kreisten Keilschwanzadler – lautlos, majestätisch. Und wenn das Feuer knisterte, spannte sich der Sternenhimmel wie ein glitzerndes Band von Horizont zu Horizont.

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Im tropischen Norden, wo Regenwald auf Mangroven traf, schlängelten sich Flüsse durch undurchdringliches Grün. Das Wasser war warm, voller Leben – und voller Gefahren. Barramundis lauerten regungslos zwischen versunkenen Ästen, bereit, sich blitzschnell auf ihre Beute zu stürzen. Beim Angeln blieb der Blick stets wachsam – denn in den Schatten der Mangroven ruhten oft Krokodile, nur die Augen über der Wasseroberfläche. In den Schlickbänken verbargen sich Mud Crabs mit Scheren, stark genug, um Finger zu brechen. Mit Reusen oder einfachen Ködern ließen sie sich überlisten – aber immer mit Respekt.

Einmal trat Katie beinahe auf ein Krokodiljunges, das sich zwischen den Wurzeln versteckt hatte. Ihr Schrei durchbrach die tropische Schwüle, ließ sogar die Vögel im Dickicht verstummen. Ich rutschte auf dem nassen Boden aus, hielt mich gerade noch – wir kamen mit dem Schrecken davon.

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An den Küsten tobte das Meer – in endloser Bewegung, mal wütend gegen schroffe Felsen schlagend, mal sanft an einsame Strände rollend. Vor der Küste von Western Australia oder Cape York sprangen Thunfische über die Wellen, während Haie durch die Tiefe glitten. Wer von den Klippen aus die Angel warf, spürte die rohe Kraft des Ozeans in der Schnur. Jeder Fang war ein Kräftemessen, ein Tanz zwischen Mensch und Natur. Manchmal war da nur das Rauschen der Brandung, das Kreischen der Möwen. Kein Mensch weit und breit – nur Wind, Wellen, und das leise Prickeln der Jagd.

Einmal, nördlich von Cairns, saßen wir auf einem Felsen. Der Wind zerrte an unseren Jacken, die Gischt spritzte bis zu unseren Füßen. Katie warf ihre Angel weit hinaus – Sekunden später ein Aufschrei: „Ein Hai! Ich schwöre, das war ein Hai!“ – „Oder ein Thunfisch“, warf ich ein. „Oder ein U-Boot! ... Lol“ Am Ende war es ein Rochen. Groß, elegant – und völlig desinteressiert an uns.

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Nach einem Tag voller Eindrücke schmeckte nichts besser als die eigene Beute, über dem offenen Feuer gegart. Im Outback loderten die Flammen zwischen grob geschichteten Steinen, in den Tropen glühte die Kohle unter einem rostigen Grillrost, und an der Küste flackerte das Feuer in der kühlen, salzigen Abendluft. Der Fisch, in duftende Blätter gewickelt, garte langsam in der heißen Asche. Meersalz, frische Limette, ein Hauch Rauch – der Snapper war ein Gedicht. Die Mud Crabs verfärbten sich leuchtend rot auf heißen Steinen, ihr Fleisch war zart, süß, ein kräftiger Geschmack, der auf der Zunge blieb – ein Fest unter freiem Himmel.
 

Einmal, während wir unsere Vorräte sortierten, sprang plötzlich ein Frosch aus der Kiste. Katie schrie auf – lauter als am Fluss. Ich verschüttete beinahe meinen Wein, und am Ende lachten wir so sehr, dass uns die Tränen kamen.

Das Leben unterwegs war ein ständiger Aufbruch, ein Rückzug zur Natur. Der Tag begann mit dem ersten Licht – wenn Dunst über den Billabongs lag oder der Ozean im Morgenrot glänzte. Wir fuhren über staubige Pisten, entlang verlassener Strände. Und wenn die Dunkelheit fiel, begann die Magie: Über dem Outback leuchtete die Milchstraße so klar, dass der Boden silbern schimmerte. Das Wasser funkelte im Licht des Mondes, der Dschungel summte, lebendig und geheimnisvoll. Keine Straßen, keine Laternen. Nur wir – und die ungezähmte Weite Australiens.

Kommentare (2)

indeed

@Infbahn

welcome here

Mit großem Interesse habe ich deinen sehr gut pointierten Abenteuerbericht gelesen und du hast es verstanden, die speziellen Momente so zusammen zu fassen, dass es auf mich wirkt, als wären alle diese Erlebnisse in dicht aneinander folgenden Momenten erlebt.
Natürlich nicht. Selber bin ich noch nie in Australien gewesen, aber habe viel über den Kontinent gelesen.
Er erinnert mich auch stark an einen Freund meines verstorbenen Mannes, der zusammen mit seiner Partnerin unter ähnlichen Umständen in seinem VW-Bus ganz Australien umfahren hat. Allerdings nicht in Wochen oder Monaten, sondern es dauerte ein paar Jahre. Wellblechhütte im Nordwesten des Kontinents erbaut eingeschlossen.

Es ist noch länger her, als du es wohl erfahren hast. Ich denke, soweit ich mich erinnere fand es in n den 1970 /1980 Jahren statt Jedenfalls meine ich, es gehört zu so einem Unterfangen auch eine Menge Mut und Neugier dazu.

Danke für deinen Beitrag und lieben Gruß von

indeed




 

Rosi 1959

Interessante Schilderungen von Dir, so ein wenig kenne ich Australien aus Büchern von Patricia Shaw. Sie war eine australische Sachbuch- und Romanautorin. Sie lebte in Queensland an der Goldküste Australiens

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