Die Tyrannei der inneren Stimme


Die Tyrannei der inneren Stimme
14. Juni 2026

Guten Tag allerseits!

Eine innere Stimme ermahnt mich: „Du solltest mehr tun! Mehr wichtige Aufgaben abarbeiten, dich mehr ins Zeug legen.“

Kennt Ihr sie auch?

Obwohl die meisten von uns den Tag viel entspannter angehen könnten als früher, gelingt uns das nur bedingt.

Wir setzen uns unter Druck.

Warum tun wir uns das an?

Dieses Verhalten haben wir aus früheren Zeiten „herübergerettet“, als wir noch rund um die Uhr im Hamsterrad gestrampelt haben. Und weil wir Gewohnheitstiere sind, werden wir diese Unart nur schwer los.

Zunächst einmal gilt es zu bedenken: Die Welt dreht sich auch weiter, wenn wir es gemütlich angehen lassen; vermutlich sogar dann noch, wenn wir nicht mehr hier sind.

Den Befehl der inneren Stimme „Tue mehr“ zu befolgen, ist, so glaube ich, nur selten dazu geeignet, einem freien, erfüllten Leben näherzukommen.

Selbstverständlich gibt es jeden Tag ein paar Aufgaben, die man besser nicht verschieben sollte, weil anderenfalls Ungemach droht.

Aber sobald diese abgearbeitet sind, schauen wir uns das Fußballspiel oder den Krimi an. Sortieren wir unsere Bücher nach Gewicht, schreiben wir ein Gedicht, beobachten wir die Vögel vor dem Fenster, probieren wir verschiedene Weinsorten, üben wir uns im Nichtstun (schwierig!) oder wühlen wir im Garten.

Was auch immer, die Hauptsache, es bringt Freude.

In diesem Sinne einen schönen Sonntag!

Herzliche Grüße
Kurt
 

Kommentare (13)

Kurt20

Ein ❤️ habe ich erhalten von:

  • cecile
  • Globetrotter
  • Sommerzauber
  • Winterbraut
  • Marlen13
  • Songeur
  • Schmetterling04
  • Brita
  • ladybird
  • Anna-Lena
  • Monalie
Vielen Dank!

Sommerzauber

Hallo Kurt,

meine innere Stimme ist flexibel. Bei Dingen, die ich nicht so gerne erledige, flüstert sie manchmal, ach komm, morgen ist auch noch ein Tag, und gerne höre ich auf sie. Ganz entspannt.
Bei Sachen, die ich gerne erledige, da meldet sie sich erst gar nicht. Zwecklos. Alles wird nämlich sofort in Angriff genommen.
Dann gibt es allerdings noch die Variante: "Mache ich nicht so gerne, muss aber zügig sein....". Dann mach ich's halt nach dem bekannten Motto:

Wat mutt, dat mutt.......
 
Herzliche Grüße Katharina 🌺

Kurt20

@Sommerzauber  

16. Juni 2026

Hallo Katharina,

Du schreibst: „Bei Dingen, die ich nicht so gerne erledige, flüstert sie manchmal: Ach komm, morgen ist auch noch ein Tag, und gerne höre ich auf sie.“

Der Satz könnte auch von mir stammen; Ähnliches spielt sich bei mir ab.

Wenn die innere Stimme sagt: „Das musst Du nicht machen“ oder „Das hat Zeit“, dann höre ich gerne auf sie. Auch der Einflüsterung „Morgen ist auch noch ein Tag! Erst mal abwarten“ leiste ich nur allzu gern Folge.

Früher im Berufsleben hat das manchmal zu Schwierigkeiten geführt, heute erlaube ich mir das ganz großzügig viel öfter.

Wenn es wirklich wesentlich ist, machst Du es irgendwann, auch ohne Dich andauernd zu nerven.

Über einen erfolgreichen Schweizer Manager war zu lesen, dass er fast alles erst einmal liegen lässt. Die wirklich dringenden Sachen kämen auch ein zweites und drittes Mal.

Ab und zu innere Widerstände zu überwinden, das kann ich mir eventuell leisten. Aber nur in gesunder Dosierung. Ständig innere Widerstände zu überwinden, macht müde und malad.

Und das muss doch nicht sein, oder? 😉

Herzliche Grüße
Kurt
 

Globetrotter

Lieber Kurt,
leider ist es so mit dem Sozialleben, es will gepflegt werden und deshalb muss man auch schon mal über seinen Schatten springen. Ich will von meinen Freunden an meinem Geburtstag auch nicht hören, ich will lieber Fussball schauen. Zum Glück gibt es heutzutage genügend Möglichkeiten ein Spiel auch später noch in voller Länge anzusehen.
Ansonsten ist es für mich eine grössere Überwindung meiner Faulheit nachzugeben als die kleinen täglichen Notwendigkeiten einfach zu erledigen. Dann mache ich das lieber gleich und lege danach meine Füsse hoch. 
LG Gisela🙋‍♀️

Kurt20

@Globetrotter

16. Juni 2026

Liebe Gisela,

Du weißt ja, mit dem Sozialleben hab’ ich es nicht so. Trotzdem will ich natürlich niemanden vor den Kopf stoßen.

Aber wenn ich mich drücken kann, ohne allzu viel Porzellan zu zerschlagen, dann tue ich mir den Gefallen. Und auch den Betroffenen, denn was hätten die davon, säße ich übellaunig oder gelangweilt bei ihnen herum.

Zwar lässt sich der Abend meist noch durch das eine oder andere Glas eines „geistigen Getränks“ retten. Aber wenn man in einen antialkoholischen Haushalt eingeladen ist, dann wird’s eng. 😉

Kleine tägliche Notwendigkeiten möglichst schnell hinter mich zu bringen, das ist auch meine bevorzugte Strategie („Schlucke den Frosch, bevor er zu groß wird!“).

Wobei wir uns vielleicht nicht ganz einig darüber sind, was echte Notwendigkeiten sind und was nur aufgeplusterte Pseudo-Notwendigkeiten.

Aber man muss sich ja auch nicht immer einig sein, das wäre ja langweilig.

Lass es Dir gut gehen und bis demnächst.

Herzliche Grüße
Kurt

Syrdal




Man kann gelebt werden oder leben.
Ich wähle das Leben zu leben!


Syrdal
 

Kurt20

@Syrdal  

16. Juni 2026

Danke, lieber Syrdal,

ein treffender Ausdruck: „gelebt werden“.

Mich fernsteuern zu lassen in eine unerwünschte Richtung durch meine innere Stimme, das passierte mir bisher immer wieder einmal.

Damit ist Schuss. Ab jetzt wird nur noch getan, was Freude bringt. Also auf zu neuen Ufern!

„Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung frei, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.“ (Christian Morgenstern)

Herzliche Grüße und einen schönen Tag
Kurt

Winterbraut

Mit Interesse habe ich gelesen, was dir deine innere Stimme rät.
Meine reagiert toleranter. Sie flüstert: Leg die Beine hoch und teile dir die Dinge, die gemacht werden müssen so ein, wie es für deinen biologischen Rhythmus am besten ist. 
Lange genug musste ich funktionieren und ich finde, das Alter sollte doch auch Vorteile haben..
also höre ich auf meine innere Stimme.

Liebe Grüße 
Ingrid

Kurt20

@Winterbraut  

14. Juni 2026

Danke liebe Ingrid, 

das klappt bei mir noch nicht so ganz. Meine innere Stimme oder die Geister, die dahinterstecken, versuchen mir regelmäßig Aufgaben, die völlig unwichtig sind, als wichtig zu verkaufen.

Beispiel von heute:

Dialog:

Innere Stimme: „Rainer hat heute Geburtstag. Ihr seid eingeladen. Da musst Du hin.“

Ich, theoretisch: „Gar nichts muss ich. Heute spielt Deutschland gegen Curaçao. Rainer schaltet das garantiert nicht ein. Ich bleibe hier.“

Ich, praktisch: bereits auf dem Weg zu Rainer, um des lieben Friedens willen, wie meine liebe Frau sagt.

Frag nicht, wie sehr mich das begeistert. 😉

Spaß beiseite: Mir gelingt es noch nicht, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Ich lasse mich zu oft von meiner inneren Stimme überreden, Zeit für Dinge aufzuwenden, die mir eigentlich völlig egal sein sollten.

Wäre ich unsterblich, wäre das kein Problem. Bin ich aber nicht.

Deshalb besteht Handlungsbedarf.

Ich melde Dir eventuelle Fortschritte.

Herzliche Grüße Kurt

Christine62laechel


Also, ich habe meiner inneren Stimme etwas beibringen können, Kurt. Sie hat gelernt und begriffen den Unterschied zwischen "ich will nicht" und "ich kann nicht". Bei dem Ersten kann sie noch zusätzliche Argumente formulieren, mich zu bestechen versuchen, mir das Blaue vom Himmel versprechen, damit ich nur das noch ausführe, was diese meine innere Stimme füt notwendig hält. Und manchmal lasse ich mich sogar überzeugen. Wenn ich aber meine "ich kann nicht", verzichtet sie ganz ruhig, und fügt nicht mal hinzu, dass wir dann morgen darüber reden werden. Deswegen können wir uns einander ganz gut vertragen. Eigentlich bin ich sogar zufrieden, dass es so eine Stimme für mich gibt.

Mit Grüßen
Christine

Kurt20

@Christine62laechel  

15. Juni 2026

Liebe Christine,

Dir ist es gut gelungen, Deine innere Stimme zu domestizieren.

Daran arbeite ich noch.

Auf „Ich kann nicht“ antwortet meine innere Stimme: „Stell dich nicht so an!“.

Wenn ich sage „Ich will nicht“, brechen die Versuche, mich umzustimmen, unwetterartig über mich herein.

Das Spektrum reicht von Verlockungen („Damit hättest du aber einen Stein im Brett bei Frau Schneider, wenn du ihren Hund ausführst“) über Beschimpfungen („Du bist ein fauler Sack“) bis zu Drohungen („Wenn du noch ein Glas trinkst, hast du morgen wieder einen Brummschädel“).

Diese Einmischungen empfinde ich als penetrant und lästig. Was aber schlimmer ist: Sie halten mich manchmal davon ab, zu tun, was ich für richtig halte.

Wie Du siehst, liegt noch ein schönes Stück Arbeit vor mir, bevor ich endlich wieder Herr im eigenen Hause bin.

Bis demnächst.

❤️liche Grüße
Kurt

Songeur

Hallo Kurt,

meine innere Stimme spricht so leise mit mir, dass ich noch nicht einmal bemerke, dass sie das tut. Vermutlich ist sie weise genug zu wissen, dass ich ohnehin nur tue, was mir gerade in den Kram passt.

Ich habe doch als Ruheständler keinen Bedarf an einem Chef-Ersatz, der mir erzählt was ich zu tun und zu lassen habe. 😎

Herzliche Grüße
Hubert

 

Kurt20

@Songeur  

15. Juni 2026

Hallo Hubert,

das dachte ich mir schon, dass Du kurzen Prozess machst mit dem inneren Chef-Ersatz; hätte ich auch nicht anders von Dir erwartet. 😉

Ich versuche es Dir gleichzutun.

Bei mir meldet sich allerdings nicht nur eine einzelne innere Stimme, sondern manchmal eine ganze Kompanie. Die labern mir die Ohren voll.

Was man sich da alles anhören muss. Zum Beispiel vorhin beim Mittagessen: „Jetzt hast Du dich schon wieder bekleckert, du ...".

Die meisten dieser Stimmen sind lästig, aber harmlos → schnattern lassen.

Mit denjenigen allerdings, die mir vorschreiben wollen, wie ich zu leben habe, kenne ich keine Gnade. Die fliegen aus meinem Kopf. Das erkläre ich ab sofort zur Chefsache. 😡

Herzliche Grüße
Kurt
 

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