Die Sehnsucht nach dem Nie
(Der Titel aus einem sonst uninteressanten Buch)
„Nie“ und „nie wieder“, diese Worte
können mal klingen sehr nostalgisch,
wenn man im Alter denkt an Orte
oder an Menschen – und wird traurig.
Doch diese Worte lernt man kennen
schon in der Kindheit, und verstehen,
weil junge Tage auch schnell rennen,
und junge Jahre schnell vergehen.
Mal muss ein Kind in Kauf es nehmen:
nie wieder Breichen aus der Flasche!
- paar Tage wird sich danach sehnen,
obwohl auch And‘res gibt‘s zum Naschen.
Deswegen muss man nicht trist werden,
wenn wieder etwas wird‘s nicht geben;
so ist die Ordnung auf der Erde:
immer wird fehlen was im Leben.
(Titelbild aus dem Internet)
Kommentare (9)
@JuergenS
Es wird heute viel Regen geben, Jürgen, da werde ich ein wenig Philosoph. Mir selbst kann das auch helfen. 😊
Liebe Christine,
im großen Lebenspuzzle werden wir immer etwas vermissen, weil wertvolle Puzzleteilchen plötzlich nicht mehr an ihrem vertrauten Platz liegen, denn das
vergängliche Zeit-Uhrwerk bringt uns alles durcheinander.
Mit dem Verlust unserer früheren Schätze (Jugend, Liebe, Abenteuer, schöne Erlebnisse, Erfolg, geliebte Menschen) muss man sich im Alter leider abfinden, und so kann man nur versuchen sein Puzzlebild mit „Ersatzteilchen“, sowie bunten Erinnerungssteinchen wieder etwas aufzufüllen.![]()
Viele Grüße
Rosi65
@Rosi65
Liebe Rosi, jemand hat mit Recht gesagt: Alter ist Etwas für mutige Menschen. Das bist Du eindeutig, denn scheinst mit der Realität abgefunden zu sein, und weißt damit umzugehen.
Ja, wie Dein schönes Bild kann ein Leben dargestellt werden; da fehlt kein Teilchen. Es stimmt aber zum Glück, dass man sein eigenes Lebens-Puzzlebild mit irgendwelchen Ersatzteilchen auffüllen kann. Natürlich bedeutet das Wort "Ersatz" eigentlich etwas nicht Gleichwertiges, man kann sich aber mal überraschen lassen, wenn sich das Bild trotzdem als gar nicht weniger schön erweist.
Und so eines auch hier (aus dem Internet zwar; ich nehme an, dass diese schönen Papageien Dir paar schöne Stündchen genommen haben). :)![]()
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Ich stelle mir gerade die Frage, ob "Nie oder Nie wieder" immer nur negativ besetzt sein müssen/sollten...
Einen geliebten Menschen nie wieder zu sehen ist fast das schmerzlichste, denke ich..., auch ich weiß das alles und es tut weh, meist jahrelang...irgendwann aber kommt eine Art Relativierung. Der Mensch bleibt im Herzen und kann dieses wärmen.
Nie wieder Krieg - ist doch nur wünschenswert aber wohl mit der machtgierigen Menschheit nicht machbar.
Nie Liebe, Zuneigung bekommen zu haben...ist einfach nur schrecklich.
Nie mehr ohne Liebe sein, hört sich sehr schön an ...
oder liebe Christine ?
Kristine
@werderanerin
Das finde ich sehr schön, liebe Kristine, wie du die Begriffe und ihren Inhalt umgestellt hast. Dadurch kann man noch mehr Positives zum Vorschein bringen, und vielleicht sogar mal feststellen, dass man sich nun nach etwas nicht mehr sehnen muss: dank dem positiven "nie wieder..." ist das Ersehnte nämlich da.
Und so kann man eine kleine Abrechnung machen, wenn man es gerade tun möchte, wonach man sich sehnen will, wonach nicht mehr, was man dadurch erreicht hat, weil nie aufgehört, sich nach etwas zu sehnen. So oder so, ganz frei von der Sehnsucht wird man nie; möge das öfter diese positive Art sein.
Mit Grüßen
Christine
Mit jedem neuen Lebensabschnitt, liebe Christine müssen Menschen etwas loslassen, das hängt ja auch mit Weiterentwicklung zusammen. Dann kommt etwas Neues. Wobei das Breichen alte Menschen unter Umständen wieder sozusagen "einholt" aus gesundheitlichen Gründen. Anders ist es, wenn ein nahestehender Mensch verstorben ist und es wirklich heißt: Nie wieder. Das ist der schwerste Loslassungsprozess, den es gibt, wie ich nun aus eigener Erfahrung weiß. Ob diese Sehnsucht jemals aufhört, kann ich jetzt noch nicht sagen. Es kommt vielleicht darauf an, wie tief die Verbindung war.
Liebe Grüße
Brigitte
@Roxanna
Liebe Brigitte, man wird wirklich mit den Jahren immer mehr bewusst, dass das Leben vieles schenkt, aber auch vieles verlieren lässt. Man bedauert nun Dinge, von denen oft geträumt, doch nie erreicht, und es wird auch nie mehr möglich. Es gibt Dinge, Chancen, Situationen, die es mal gab, und jetzt nicht mehr. Man kann sich aber mit dem Gedanken trösten: zwar nicht mehr da, mal konnte ich es aber so schön erleben; nun wird die Erinnerung auch genug sein.
Und ja, es ist am schwierigsten, Menschen zu verlieren, die uns mal viel bedeutet hatten. Ich habe hier auch meine eigenen Erfahrungen gemeint. Und auch hier gibt es eine Strategie, eigentlich nichts Neues: ich glaube fest daran, dass da eine Verbindung bleibt. Natürlich kann die Sehnsucht mal ganz überwältigend sein, doch ich möchte die Abwesenden nicht lange zuschauen lassen, sollte das wirklich möglich sein, wie traurig ich bin. Nie, nie wieder – wir sehen das so. Und sie wissen mehr...
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Toll, deine Überlegungen, und wahr. Erkenntnisse, die helfen können.