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Der Herd möchte mit mir sprechen
Nachdem mein Auto beschlossen hatte, mich zu erziehen, dachte ich zunächst, das Problem wäre lokal begrenzt.
Einzelfall.
Vielleicht ein übermotivierter Bordcomputer.
Ein paar Programmierer mit Kontrollproblemen.
Nichts Ernstes.
Dann kam ich nach Hause.
Und dort wartete bereits der Rest der Bande.
Früher waren Haushaltsgeräte einfache Wesen.
Ein Herd machte heiß.
Ein Kühlschrank machte kalt.
Eine Waschmaschine drehte sich im Kreis.
Alle waren zufrieden.
Heute leben diese Geräte offenbar in einer Art digitaler Wohngemeinschaft und tauschen Informationen über mich aus.
Anders kann ich mir das alles nicht erklären.
Besonders mein Herd.
Mein Herd und ich führen inzwischen eine Beziehung, die irgendwo zwischen Ehekrise und Geiselnahme liegt.
Früher hatte ein Herd Drehknöpfe.
Das war eine geniale Erfindung.
Man drehte.
Die Platte wurde heiß.
Ende der Kommunikation.
Heute besitzt mein Herd ein Bedienfeld.
Und ein Bedienfeld bedeutet in der Sprache moderner Ingenieure:
„Lass uns etwas Einfaches maximal kompliziert machen.“
Wenn ich eine Platte einschalten möchte, beginnt zunächst eine Art digitales Bewerbungsgespräch.
Ich drücke.
Der Herd denkt nach.
Ich drücke noch einmal.
Der Herd denkt intensiver nach.
Dann piept er.
Dann blinkt er.
Dann passiert gar nichts.
Und wenn ich besonders mutig bin und versuche, zwei Herdplatten gleichzeitig einzuschalten, beginnt die eigentliche Eskalation.
Offenbar hat mein Herd beschlossen, dass kein Mensch zwei Hände gleichzeitig benutzen kann.
Ich drücke links.
Dann rechts.
Dann wieder links.
Dann blinkt irgendetwas.
Dann verschwindet irgendetwas.
Dann piept irgendetwas.
Dann ist plötzlich die erste Platte wieder aus.
Ich habe keine Ahnung warum.
Mittlerweile stehe ich regelmäßig in der Küche und diskutiere mit einem Ceranfeld.
Ein Satz, den ich mir vor zwanzig Jahren niemals hätte vorstellen können.
„ICH WILL DOCH NUR KARTOFFELN UND SOßE GLEICHZEITIG!“
Der Herd sieht das anders.
Er hat Regeln.
Er hat Prozesse.
Er hat Standards.
Und ich habe Hunger.
Es ist ein ungleicher Kampf.
Noch schlimmer ist allerdings der Kühlschrank.
Früher war ein Kühlschrank ein stiller Begleiter.
Heute überwacht er meine Entscheidungen.
Sobald die Tür länger als fünf Sekunden offensteht, beginnt er zu piepen.
Dieses Piepen klingt exakt so, als hätte ich vergessen, mein Kind an einer Raststätte abzuholen.
Dabei suche ich nur Senf.
Oder Käse.
Oder die Gurken, die garantiert genau dort standen, wo sie jetzt nicht mehr stehen.
Doch für den Kühlschrank zählt das nicht.
Der Kühlschrank hat seine Entscheidung bereits getroffen.
„Sie ist überfordert.“
Und dann piept er weiter.
Vorwurfsvoll.
Passiv-aggressiv.
Wie ein Beamter kurz vor der Pensionierung.
Die Waschmaschine ist auch nicht besser.
Meine Waschmaschine beendet ihre Arbeit inzwischen nicht mehr.
Sie feiert sie.
Sobald das Programm fertig ist, spielt sie eine Melodie.
Keine kurze Information.
Nein.
Eine komplette Abschlusszeremonie.
Sie klingt, als hätte sie gerade persönlich den Mount Everest bestiegen, zwei Wale gerettet und nebenbei noch Weltfrieden vermittelt.
Liebe Waschmaschine:
Du hast Socken gedreht.
Beruhige dich.
Und dann dieser Fernseher.
Früher war Fernsehen eine Partnerschaft.
Heute ist es eine Therapie.
Mitten in der Nacht erscheint plötzlich:
„Sind Sie noch da?“
Entschuldigung?
Natürlich bin ich noch da.
Wo soll ich denn hin?
Ich liege seit drei Stunden regungslos auf dem Sofa.
Unter einer Decke.
Mit Chipskrümeln auf dem Pullover.
Und schaue zum fünften Mal dieselbe Serie, weil ich emotional aktuell nicht belastbar genug für neue Charaktere bin.
Was genau an diesem Bild vermittelt Abwesenheit?
Doch bevor ich reagieren kann:
Zack.
Schwarzer Bildschirm.
Der Fernseher entscheidet einfach:
„So.
Das reicht jetzt.
Du brauchst Schlaf.“
Seit wann wird mein Elektrogerät therapeutisch?
Früher hatten Geräte Respekt.
Ein Toaster hat nie gefragt, ob man wirklich noch ein zweites Toast essen sollte.
Heute würde er vermutlich sagen:
„Denk bitte an deinen Cholesterinspiegel.“
Und dann wäre da noch mein Handy.
Der Endgegner.
Das Handy ist inzwischen nicht mehr Gerät.
Das Handy ist Management.
Es erinnert mich an Dinge, die ich nie wissen wollte.
„Zeit aufzustehen.“
Danke.
Mein Körper war emotional noch mitten im Koma, aber schön, dass du Druck machst.
Oder:
„Ihre Bildschirmzeit ist diese Woche um 17 Prozent gestiegen.“
Aha.
Und deine Stromrechnung vermutlich auch.
Lassen wir uns jetzt gegenseitig in Ruhe.
Am schlimmsten sind allerdings diese Vorschläge.
Mein Handy schlägt inzwischen Dinge vor, die ich nie gefragt habe.
Es kennt Orte, die ich besucht habe.
Menschen, die ich getroffen habe.
Schlafzeiten.
Schrittzahlen.
Wahrscheinlich kennt es inzwischen sogar meine Blutgruppe.
Die Maschinen wissen mittlerweile mehr über mein Leben als manche Familienmitglieder.
Und ehrlich gesagt:
Das macht mir Sorgen.
Denn ich glaube, genau so beginnt die Übernahme.
Nicht mit Gewalt.
Nicht mit Robotern.
Nicht mit Laserkanonen.
Sondern mit Bevormundung.
Mit Geräten, die ständig glauben, sie wüssten besser, was gut für uns ist.
Vielleicht stehe ich deshalb manchmal absichtlich auf und mache Dinge falsch.
Aus Trotz.
Ich lasse die Kühlschranktür einen Moment länger offen.
Ich ignoriere Erinnerungen.
Ich schaue noch eine Folge.
Ich drücke absichtlich zweimal auf dieselbe Herdplatte.
- einfach um der Maschine zu zeigen:
„DU BIST NICHT MEINE MUTTER.“
Natürlich verliere ich am Ende meistens.
Der Herd piept.
Der Kühlschrank piept.
Das Handy piept.
Die Waschmaschine singt.
Und irgendwo schaltet sich der Fernseher beleidigt aus.
Aber zumindest gehe ich kämpfend unter.
Denn wenn irgendwann mein Kühlschrank anfängt zu sagen:
„Solltest du wirklich noch ein Stück Käse essen?“
und der Herd antwortet:
„Das wollten wir auch gerade ansprechen.“
Dann ist es vorbei.
Dann kaufe ich mir eine Hütte im Wald.
Ohne WLAN.
Ohne Updates.
Ohne Touchdisplay.
Und wenn dort etwas piept,
dann hoffentlich nur ein Vogel.
Illustrationen mittels KI erstellt
Einzelfall.
Vielleicht ein übermotivierter Bordcomputer.
Ein paar Programmierer mit Kontrollproblemen.
Nichts Ernstes.
Dann kam ich nach Hause.
Und dort wartete bereits der Rest der Bande.
Früher waren Haushaltsgeräte einfache Wesen.
Ein Herd machte heiß.
Ein Kühlschrank machte kalt.
Eine Waschmaschine drehte sich im Kreis.
Alle waren zufrieden.
Heute leben diese Geräte offenbar in einer Art digitaler Wohngemeinschaft und tauschen Informationen über mich aus.
Anders kann ich mir das alles nicht erklären.
Besonders mein Herd.
Mein Herd und ich führen inzwischen eine Beziehung, die irgendwo zwischen Ehekrise und Geiselnahme liegt.
Früher hatte ein Herd Drehknöpfe.
Das war eine geniale Erfindung.
Man drehte.
Die Platte wurde heiß.
Ende der Kommunikation.
Heute besitzt mein Herd ein Bedienfeld.
Und ein Bedienfeld bedeutet in der Sprache moderner Ingenieure:
„Lass uns etwas Einfaches maximal kompliziert machen.“
Wenn ich eine Platte einschalten möchte, beginnt zunächst eine Art digitales Bewerbungsgespräch.
Ich drücke.
Der Herd denkt nach.
Ich drücke noch einmal.
Der Herd denkt intensiver nach.
Dann piept er.
Dann blinkt er.
Dann passiert gar nichts.
Und wenn ich besonders mutig bin und versuche, zwei Herdplatten gleichzeitig einzuschalten, beginnt die eigentliche Eskalation.
Offenbar hat mein Herd beschlossen, dass kein Mensch zwei Hände gleichzeitig benutzen kann.
Ich drücke links.
Dann rechts.
Dann wieder links.
Dann blinkt irgendetwas.
Dann verschwindet irgendetwas.
Dann piept irgendetwas.
Dann ist plötzlich die erste Platte wieder aus.
Ich habe keine Ahnung warum.
Mittlerweile stehe ich regelmäßig in der Küche und diskutiere mit einem Ceranfeld.
Ein Satz, den ich mir vor zwanzig Jahren niemals hätte vorstellen können.
„ICH WILL DOCH NUR KARTOFFELN UND SOßE GLEICHZEITIG!“
Der Herd sieht das anders.
Er hat Regeln.
Er hat Prozesse.
Er hat Standards.
Und ich habe Hunger.
Es ist ein ungleicher Kampf.
Noch schlimmer ist allerdings der Kühlschrank.
Früher war ein Kühlschrank ein stiller Begleiter.
Heute überwacht er meine Entscheidungen.
Sobald die Tür länger als fünf Sekunden offensteht, beginnt er zu piepen.
Dieses Piepen klingt exakt so, als hätte ich vergessen, mein Kind an einer Raststätte abzuholen.
Dabei suche ich nur Senf.
Oder Käse.
Oder die Gurken, die garantiert genau dort standen, wo sie jetzt nicht mehr stehen.
Doch für den Kühlschrank zählt das nicht.
Der Kühlschrank hat seine Entscheidung bereits getroffen.
„Sie ist überfordert.“
Und dann piept er weiter.
Vorwurfsvoll.
Passiv-aggressiv.
Wie ein Beamter kurz vor der Pensionierung.
Die Waschmaschine ist auch nicht besser.
Meine Waschmaschine beendet ihre Arbeit inzwischen nicht mehr.
Sie feiert sie.
Sobald das Programm fertig ist, spielt sie eine Melodie.
Keine kurze Information.
Nein.
Eine komplette Abschlusszeremonie.
Sie klingt, als hätte sie gerade persönlich den Mount Everest bestiegen, zwei Wale gerettet und nebenbei noch Weltfrieden vermittelt.
Liebe Waschmaschine:
Du hast Socken gedreht.
Beruhige dich.
Und dann dieser Fernseher.
Früher war Fernsehen eine Partnerschaft.
Heute ist es eine Therapie.
Mitten in der Nacht erscheint plötzlich:
„Sind Sie noch da?“
Entschuldigung?
Natürlich bin ich noch da.
Wo soll ich denn hin?
Ich liege seit drei Stunden regungslos auf dem Sofa.
Unter einer Decke.
Mit Chipskrümeln auf dem Pullover.
Und schaue zum fünften Mal dieselbe Serie, weil ich emotional aktuell nicht belastbar genug für neue Charaktere bin.
Was genau an diesem Bild vermittelt Abwesenheit?
Doch bevor ich reagieren kann:
Zack.
Schwarzer Bildschirm.
Der Fernseher entscheidet einfach:
„So.
Das reicht jetzt.
Du brauchst Schlaf.“
Seit wann wird mein Elektrogerät therapeutisch?
Früher hatten Geräte Respekt.
Ein Toaster hat nie gefragt, ob man wirklich noch ein zweites Toast essen sollte.
Heute würde er vermutlich sagen:
„Denk bitte an deinen Cholesterinspiegel.“
Und dann wäre da noch mein Handy.
Der Endgegner.
Das Handy ist inzwischen nicht mehr Gerät.
Das Handy ist Management.
Es erinnert mich an Dinge, die ich nie wissen wollte.
„Zeit aufzustehen.“
Danke.
Mein Körper war emotional noch mitten im Koma, aber schön, dass du Druck machst.
Oder:
„Ihre Bildschirmzeit ist diese Woche um 17 Prozent gestiegen.“
Aha.
Und deine Stromrechnung vermutlich auch.
Lassen wir uns jetzt gegenseitig in Ruhe.
Am schlimmsten sind allerdings diese Vorschläge.
Mein Handy schlägt inzwischen Dinge vor, die ich nie gefragt habe.
Es kennt Orte, die ich besucht habe.
Menschen, die ich getroffen habe.
Schlafzeiten.
Schrittzahlen.
Wahrscheinlich kennt es inzwischen sogar meine Blutgruppe.
Die Maschinen wissen mittlerweile mehr über mein Leben als manche Familienmitglieder.
Und ehrlich gesagt:
Das macht mir Sorgen.
Denn ich glaube, genau so beginnt die Übernahme.
Nicht mit Gewalt.
Nicht mit Robotern.
Nicht mit Laserkanonen.
Sondern mit Bevormundung.
Mit Geräten, die ständig glauben, sie wüssten besser, was gut für uns ist.
Vielleicht stehe ich deshalb manchmal absichtlich auf und mache Dinge falsch.
Aus Trotz.
Ich lasse die Kühlschranktür einen Moment länger offen.
Ich ignoriere Erinnerungen.
Ich schaue noch eine Folge.
Ich drücke absichtlich zweimal auf dieselbe Herdplatte.
- einfach um der Maschine zu zeigen:
„DU BIST NICHT MEINE MUTTER.“
Natürlich verliere ich am Ende meistens.
Der Herd piept.
Der Kühlschrank piept.
Das Handy piept.
Die Waschmaschine singt.
Und irgendwo schaltet sich der Fernseher beleidigt aus.
Aber zumindest gehe ich kämpfend unter.
Denn wenn irgendwann mein Kühlschrank anfängt zu sagen:
„Solltest du wirklich noch ein Stück Käse essen?“
und der Herd antwortet:
„Das wollten wir auch gerade ansprechen.“
Dann ist es vorbei.
Dann kaufe ich mir eine Hütte im Wald.
Ohne WLAN.
Ohne Updates.
Ohne Touchdisplay.
Und wenn dort etwas piept,
dann hoffentlich nur ein Vogel.
Illustrationen mittels KI erstellt
Kommentare (2)
ginger.one
@Rollox
Es freut mich riesig, dass Dir meine kleinen Alltagsgeschichten gefallen. Die meisten entstehen tatsächlich aus ganz normalen Situationen, die mein Gehirn offenbar für deutlich komplizierter und lustiger hält als nötig. 😊
Hallo, seit einiger Zeit verfolge ich Deine kleinen Alltagsgeschichten. Mir gefällt Dein Schreibstil und die Aufteilung. Das passende KI-Bild rundet die ganze Sache ab. Mach bitte weiter so! Liebe Grüße