Der Fehltritt
Es sollte kein romantisches Abenteuer werden – und das wurde es auch nicht. Statt Schmetterlingen im Bauch gab’s Schmetterungen im Ellenbogen. Ein klassischer Fehltritt, ganz ohne Rosen, Kerzenlicht oder Herzklopfen – höchstens das rhythmische Pochen der Notaufnahme.
Ich stolperte nicht etwa über die Tücken der Liebe, sondern schlicht über meine eigenen Füße – ein selbstgebautes Hindernis erster Klasse. Das Resultat: eine zersplitterte Elle, ein zerschmetterter Ellenbogen, und der Arzt grinste wie ein Handwerker, der gerade ein Ersatzteillager geschenkt bekommen hat.
Die anschließenden Operationen verliefen… sagen wir mal: umfangreich. Ich bin jetzt halb Mensch, halb Baumarkt – mit Titan und Schrauben, wo früher nur Knochen waren. Da es sich um den rechten Arm handelt, fielen sämtliche kosmetischen Wiedergutmachungsversuche flach: Keine Haarkunst, kein Make-up, nicht mal ein ordentlicher Lidstrich.
Hätte das Ganze zu Halloween stattgefunden, hätte ich mir das Kostüm sparen können. Ein paar Pflaster, eine frische Narbe – fertig war der Horrorlook.
Als krönenden Abschluss erhielt ich dann noch eine Orthese, die meinen Arm schützen sollte, aber gleichzeitig jegliche Eigenständigkeit beerdigte. Ich war plötzlich mehr Accessoire als Mensch – ein Cyborg ohne Superkräfte, aber mit garantiert eingeschränkter Bewegungsfreiheit.
Doch siehe da – der Phönix erhebt sich aus dem Gips!
Dank unermüdlicher Physiotherapie nehme ich inzwischen wieder selbstständiger am Leben teil. (Zumindest so weit, wie man das nennen kann, wenn man sich beim Zähneputzen noch fühlt wie ein schlecht geölter Roboter aus den 80ern.)
Die Physiotherapeutin nennt es „Wiederaufbauarbeit“, ich nenne es „Folter mit medizinischer Begründung“. Jede Sitzung ein Abenteuer zwischen Hoffnung und Muskelkater – und manchmal, wenn’s knackt, klingt es fast, als würde mein Arm applaudieren: „Bravo, du hast den Löffel fast allein gehoben!“
Es wird sicher noch dauern, bis alles wieder so geschmeidig läuft wie vor dem großen Sturz. Aber ich hoffe fest, dass ich irgendwann wieder zu 98 % funktioniere – die restlichen 2 % lasse ich als Erinnerung an meine Karriere als Stuntdouble meiner selbst.
ulpo1125
Kommentare (10)
Liebe Ulla,
hoffentlich verheilt alles wieder gut. Ich wünsche Dir deshalb die nötige Geduld und auch die Gelassenheit den weiteren Heilungsprozess gut zu überstehen.
Gute Besserung!💐
Viele Grüße
Rosi65
@Rosi65
Liebe Rosi,
danke für die guten Wünsche. An der Gelassenheit arbeite ich noch 😊.
Viele Grüße
Ulla
Liebe Ulpo,
das zustimmende Herzen bekommst Du, für den Humor, den Du behalten hast, trotz Deiner riesigen "Baustelle", argen Schmerzen und allem, was der Baumarkt so hergab.
Nun drücke ich Dir die Daumen, dass Du ganz bald wieder hergestellt bist...und die Erinnerungen an Deine "Stuntdouble " immer mehr verblassen...
Alles, alles Gute
herzlichst 🐞-Renate
Einfach klasse: kein romantisches, kein angenehmes Abenteuer, trotzdem humorvoll und interessant beschrieben. Man kann nur gute Besserung wünschen, und - dass es das nächste Mal doch Blumen und Kerzen gibt. ;)
Mit besten Grüßen
Christine
@Christine62laechel
...manches bestellt man nicht - trotzdem wird es geliefert 😁 .
Danke fürs lesen und die guten Wünsche,
viele Grüße
Ulla (ulpo)
Liebe Ulla
Deinen Humor hast du dir bewahrt, aber der sitzt ja nicht im Ellenbogen. Nein, der sitzt im Herzen und aus meinem wünsche ich dir beste Genesung.
Peter