DER DENKFEHLER
„Erst einmal überlegen“, schlug ich vor. „Ja, lass uns mal überlegen, wie wir jetzt den Ball da wieder herausbekommen“, antwortete meine Spielpartnerin. Dabei hielten wir unsere Minigolfschläger in den Händen und starrten gemeinsam auf die Schikane der fünften Bahn.
In dem rechteckigen Tunnel der Spielbahn war plötzlich das Wichtigste, nämlich der kleine Ball, stecken geblieben. Einfach so.
Wie war das überhaupt möglich? Verfügbare Mittel, wie Hände und Schläger, waren als Werkzeuge nicht geeignet, um das Problem zu beseitigen. Wir überlegten schwer. Um uns herum viele vergnügte und unternehmungslustige Menschen, die sich bei schönem Kaiserwetter, ebenfalls diesem Freizeitvergnügen widmeten.
Insgesamt gab es auf der Anlage 18 Bahnen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Man hatte sechs Versuche pro Bahn, um den Ball einzulochen. Wer dafür die wenigsten Schläge benötigte, also auch die wenigsten Minus-Punkte sammelte, gewann zum Schluss das Spiel. So schrieben wir ganz akribisch unseren aktuellen Punktestand auf.
Als wir immer noch unschlüssig vor dem Tunnel standen, schimpfte die Freundin recht ungeduldig: “Kommst Du da endlich mal raus, Du dummer Ball!“ Und wie von Geisterhand angestupst, rollte der Ball ganz plötzlich aus dem Tunnel zurück ans Tageslicht. - Freundliche Kommunikation macht wohl doch eine Menge aus-.
Wir mussten über diese lustige Situation herzlich lachen, denn sie erinnerte tatsächlich an einen Slapstick-Film. Nun konnte ich meinen Ball endlich einlochen, denn er lag optimal. Nur zwei Minus-Punkte...,perfekt!
Zwischendurch setzten wir uns mal auf eine Bank, als die nächste Bahn von einer größeren Gruppe noch belegt war. So konnten wir dem bunten Treiben der anderen Spieler zuschauen, und natürlich unsere Studien treiben. Spielten einige Leute recht gekonnt und elegant, wirkte der Ablauf bei einigen anderen schon etwas unbeholfen. Was vielleicht an der fehlenden Spielpraxis lag. Trotzdem schienen aber alle sehr vergnügt bei der Sache zu sein.
Nach der 18.Bahn addierten wir schnell unseren Punktestand. Wer hatte gewonnen?
Die Freundin hatte einige Punkte mehr als ich.
Diese freute sich sofort wie ein Kind, und jubelte laut: “Ich hab gewonnen!“😃😄😆
Total verblüfft schaute ich sie eine ganze Weile an. Doch dann hatte ich verstanden.
Ihr war nämlich ein kleiner Denkfehler unterlaufen. Doch der war einfach zu köstlich!😉
Das war wirklich der beste Moment an diesem Tag.
Nein, ich sagte natürlich nichts, denn ich wollte ihr diese schöne Freude nicht verderben.
Rosi65
Kommentare (5)
Herrlich, liebe Rosi,
da ich zur Zeit immer nur unsere Bummelmeile bis zum Kurpark gehen kann, komme ich jeden Tag an unserer sehr schönen Minigolfanlage vorbei, die an schönen Tagen gut gefüllt ist.
Ich kann nicht anders, ich muss stehen bleiben und zugucken. Manchmal setzte ich mich sogar auf meinen Rolli. Ob die Spieler das schätzen, weiß ich nicht, doch ich lass mir das Vergnügen nicht nehmen.
Harzliche Grüße von Pippa
Liebe Pippa,
freue mich sehr, dass Du Dich in dieses kleine Erlebnis so gut hineinversetzen kannst, und bedanke mich herzlich für Deine Zeilen. 🌺
Viele Grüße
Rosi65
Liebe Rosi, Spielen kann wirklich so schön sein, dass man es selber noch besser geniesst, als das Gewinnen. Wie man es auch im "großen" Sport meint: es geht nicht darum... Tja, Viele gewinnen doch lieber. 😊
Ich habe heute übrigens mal wieder mit meinen ehemaligen Arbeitskolleginnen gespielt, diesmal Whist. Und ich sollte heute absolut prima gespielt haben, davon zeugten auch die Punkte eben - und meine Damen wollten mir nicht glauben, dass bei mir der Zufall eine größere Rolle spielt, als eine Spielschläue. Mein Gehirn will nicht gerne zählen, wieviele Karten von einer Farbe schon weg sind, oder ob ein König schon erschienen war. Denkfehler irgendwie gemieden. 😉
Trotzdem - schön gewesen; so wie Du, liebe Rosi, habe ich an dem Nachmittag Spass gefunden. 👍😊
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Liebe Christine,
interessant bei einer Kartenrunde ist auch, wenn man die Leute und deren Mimik recht gut kennt. So kann man bei einigen an dem Augenausdruck, oder ihrer sorgenvoll gerunzelten Stirn schon abschätzen, ob sie gerade gute oder schlechte Karten in ihrer Hand halten.
Deshalb tragen die „Zocker“ in den Mafiafilmen ja auch oft Sonnenbrillen bei ihren riskanten Geld-Kartenspielen.😎
Rosi65
Ein Dankeschön den 💖chen-Gebern für meine Geschichte geht heute an:

Christine62laechel, Indeed, ladybird, IndianSummer1952, Songeur, pippa und Marlen13.😃
Herzliche Grüße
Rosi65
Foto:Pixabay.com/Hans