Der Bruch (8)

Kapitel 8 - Widersprüche

Im Laufe des Lebens versucht man, sich gegen allerlei Unbilden des Alltags zu versichern. Manche Versicherungen werden uns vom Staat vorgeschrieben. Die Krankenkasse gehört dazu. Freiwillig habe ich dazu noch eine Kranken-Zusatzversicherung und eine Unfallversicherung abgeschlossen. Nun war ich durch einen Unfall erkrankt. Jetzt kann ich feststellen, ob mein Versicherungsnetz etwas taugt.
Erstmal die AOK. Sie übernimmt die Krankenhauskosten – bis auf eine Zuzahlung von  10 € pro Tag, die ich selber blechen muss. 210 € für drei Wochen. Im Krankenhaus stellte man für mich auch Rezepte aus für das Leihen eines Pflegebettes, eines Rollators, eines Duschhockers. Auch hier musste ich ein wenig selber zahlen, allerdings insgesamt nur etwa 30 €. Da kann man sich nicht beklagen!
Es heißt, mir stehe nach dem Krankenhaus nun für vier Wochen auf AOK-Kosten eine Haushaltshilfe zu. Die beantrage ich auch gleich mit Hilfe meiner Ärztin. Ordentlich auf den Formularen, die wir uns im Internet herunterladen und per Post absenden. Gleich einen Tag später kommt ein dicker AOK-Brief - mit weiteren Antragsformularen für eine Haushaltshilfe. Wir machen gar nichts damit, haben wir doch tags zuvor…(s.o.). Dann teilt uns die AOK mit, unser Antrag sei abgelehnt, da wir ja nicht fristgerecht die ausgefüllten Formulare eingesandt hätten. Erbost rufe ich an. Kühl werde ich belehrt: die Bescheinigung der Ärztin allein habe da nicht ausgereicht. In meinem labilen Zustand gebe ich auf, suche mir nun privat über nebenan.de Hilfe und finde Ute. Dann kommt ein Anruf von der AOK. Eine ausgesprochen freundliche Mitarbeiterin teilt mir mit, dass man nun doch  für Dezember die Kosten übernehmen werde und  ganz ausnahmsweise auch für Januar. Da müsste ich nur nochmal den ganzen Satz Antragsformulare ausfüllen, von der Ärztin bescheinigen lassen und einreichen. Das mache ich auf der Stelle. Was passiert? Es meldet sich ein Kollege der freundlichen Dame und teilt mit, die Kostenübernehme für Januar sei (natürlich) abgelehnt. Der Leistungsumfang der AOK sei ja bereits ausgeschöpft. Ich verstehe gar nichts mehr. Auf meinen Widerspruch hin habe ich bisher keine Antwort bekommen.
Haushaltshilfe ist auch ein Stichwort bei der Pflegekasse. Es heißt, mit Pflegestufe 1 würde ich Geld für eine wöchentliche Hilfe bekommen. Auch der Notfallknopf – 50 € monatlich – würde dann bezahlt. Ich beantrage eine Begutachtung und bekomme auch sehr schnell einen Termin für ein telefonisches Interview. Das findet in sehr angenehmer Gesprächsatmosphäre statt. Ich erzähle, was ich alles kann und was nicht. Ich komme in meiner Wohnung ganz gut klar, aber kann gar nichts außerhalb der Wohnung erledigen. Die Beurteilung kommt per Post und zwar postwendend: abgelehnt. Das kann ich zwar irgendwie verstehen, geht es mir doch schon wieder einigermaßen. Nicht verstehe ich allerdings in der Begründung, dass ich angeblich selbständig einkaufe, saubermache, öffentliche Verkehrsmittel benutze. So etwas habe ich nie gesagt, war danach auch gar nicht gefragt worden. Und ich kanns auch gar nicht.
Gegen diese Bewertung, wie bereits gegen die Ablehnung der AOK, lege ich schriftlich Widerspruch ein. Beide Briefe wurden bis heute nicht beantwortet.         
Nun versuche ich mein Glück bei meiner langjährigen Zusatzversicherung. Ich reiche meinen Ärztebrief und die Quittung über geleistete Zuzahlungen ein. Mit gutem Erfolg. Die Erstattung erfolgt prompt.
Aber was leistet meine Unfallversicherung? Ich zahle dort seit zig Jahren Beiträge und habe sie noch nie in Anspruch genommen. Da sollte es doch Zuschüsse geben, wenn man nach einem Unfall hilfsbedürftig ist. Erwartungsvoll sende ich wieder einen ganzen Packen Formulare ein. Die Antwort ist kurz und bündig. Da mein Unfall Folge einer kurzen Bewusstseinslosigkeit war, stehe mir nichts zu.
Morgen werde ich diese Versicherung kündigen.
 

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