Es war einmal ein Land, das sah von außen ganz ruhig aus. Hügel lagen still im Morgenlicht, die Straßen schliefen noch, und die Menschen gingen ihren gewohnten Wegen nach. Doch inmitten dieses Landes lebte ein Wesen, das niemand ganz verstand: ein inneres Wetter, das man „Bipolar“ nannte.
Dieses Wetter war kein gewöhnlicher Sturm und auch kein immerwährender Sonnenschein. Es war beides – und doch niemals gleichzeitig.

 
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Wenn der „Sommerkönig“ regierte, schien alles leicht. Die Tage wurden weit wie offene Fenster, Gedanken sprangen wie Vögel von Baum zu Baum. Das Wesen fühlte sich stark, als könnte es Berge verschieben, als wären Worte Musik und jede Idee ein funkelnder Schatz. Es schlief kaum, weil die Welt zu spannend war, um sie loszulassen. Alles schien möglich, alles schien nah.
Doch wie in jedem alten Märchen blieb kein König für immer auf dem Thron.
Irgendwann kam die „Nachtkönigin“ – leise zuerst, fast höflich. Sie setzte sich an den Rand der Gedanken und wartete. Und mit der Zeit wurde ihr Mantel schwerer. Farben verblassten, Geräusche wurden fern, und selbst einfache Dinge fühlten sich an wie große, mühsame Wege durch tiefen Schnee. Die Welt wurde langsam und still, als hielte sie den Atem an. Das Wesen zog sich zurück in sich selbst, müde von etwas, das es nicht genau benennen konnte.
Und so wechselten sich die beiden Herrscher ab – nicht immer vorhersehbar, nicht immer gerecht. Manchmal stritten sie sich sogar um dieselben Tage, als würden Sonne und Schatten gleichzeitig an derselben Tür klopfen.
Die Menschen im Land versuchten lange, dieses Wesen zu verstehen. Manche fürchteten es, weil es so wechselhaft war. Andere wollten es „reparieren“, als sei es kaputt. Aber mit der Zeit lernten einige etwas Wichtiges: Dieses Wesen war nicht falsch. Es trug nur zwei sehr unterschiedliche Arten zu fühlen in sich – beide echt, beide tief, beide Teil derselben Geschichte.
Und wer genau hinsah, bemerkte: Zwischen Sommerkönig und Nachtkönigin gab es Wege, auf denen das Wesen lernen konnte, sich zu schützen. Kleine Brücken, gebaut aus Ruhe, aus Menschen, die blieben, und aus Momenten, in denen es weder zu hell noch zu dunkel sein musste.

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So wurde aus dem alten Märchen kein Märchen über Gefahr, sondern eines über ein schwieriges Gleichgewicht – und über ein Wesen, das immer wieder versuchte, sich selbst im Wechsel der Jahreszeiten zu erkennen.



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