Bescheiden...



Bescheiden...


Bescheiden kriecht es dicht am Boden,
nur Blütenstängel ragen auf,
es gehört zu den Wunderdrogen,
wer sucht, der findet es zuhauf
an Waldrändern und auch in Gärten
mit Blättern geformt wie ein Herz
und blauen Blüten, die hell leuchten,
oft schon im Frühlingsmonat März.

Bekannt war es schon den Germanen
als wundersam heilendes Kraut,
und früher, so berichten Ahnen,
wurde mit ihm das Bier gebraut,
denn es hat feine Bitterstoffe,
die dem Getränk die Würze gab,
doch im weiteren Zeitverlaufe
löste der Hopfen das Kraut ab.

Es riecht nach Minze, etwas harzig,
so dass Verwechslung nicht geschieht,
die Inhaltstoffe, sie sind wichtig,
damit man die Heilkraft versteht
bei der Behandlung vieler Leiden,
die so manch armen Sünder quält,
sie vermag Krankes zu vertreiben,
dass es sich nie wieder einstellt.

Hildegardis, die Nonne vom Rhein,
vertraute den guten Kräften
des kleinen Krautes, das ungemein
stark ist in Blättern und Säften.
Ebenso hat Sebastian Kneipp
dem Kraut die Ehre gegeben,
und hat mit Tee manch erkranktem Leib
verholfen zu neuem Leben.

Bestens dienen die Stoffe im Kraut
mit feiner heilender Wirkung
auf Herz und Niere, Knochen und Haut
und noch manch andere Störung.
Der Pflanze, die auch Bedeutung hat
bei Speisen gekocht mit Liebe,
man einst den Name Gundermann gab,
zuweilen auch Gundelrebe.

© Syrdal 2026

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Gundelrebe.jpg
Gundelrebe - Blatt und Blüte

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Hintergrunderklärungen:

 
Die Gundelrebe (Glechoma hederacea) - auch Gundermann genannt - ist ein in Vergessenheit geratenes Heilkraut mit einem breiten Wirkspektrum. Typisch sind die tief gekerbten herz- oder nierenförmigen Blätter. Vor allem im Frühling dienen die feinen blauen Blüten als beliebte Bienenweide.

Seit je her wurde die Pflanze bei Entzündungen als "Wundkraut" eingesetzt, denn sie hat eine Vielzahl heilender Stoffe mit entzündungshemmender Wirkung. Auch enthält sie die Durchblutung anregende Gerbstoffe, milde verdauungsfördernde Bitterstoffe, antioxidativ wirkende Flavonoide, Vitamine (u.a. Vitamin C, Provitamin A) und viele Mineralstoffe wie Zink, Eisen, Silizium, den Körper entgiftendes Molybdän, Kalium und Calcium. Dies alles stärkt das Immunsystem und ist deshalb wichtiger Bestandteil zahlreicher Frühjahrskuren. Tee, Tinkturen und Ölauszüge finden Anwendung bei Asthma, Lungenerkrankungen, Skrofulose (Halsdrüsengeschwulst), Kopfschmerzen, Diarrhoe, Magen-Darm-Beschwerden, Nieren- und Blasenentzündung u.v.m.

In der Küche verwendet man die Gundelrebe in vielen pikanten Speisen, so z.B. als Würze, Spinat, in Salaten oder in Suppen (Blätter als Würze, im Kräutersalz oder auch als Essig- oder Ölauszug). Auch in Süßspeisen wird die Gundelrebe gerne eingesetzt. Man kann z.B. die Blätter in flüssige Schokolade tauchen und macht somit ein einzigartiges "Gundel- After Eight".

 

Kommentare (4)

Marlen13

Ich freute mich wieder ein lehrreiches Gedicht von dir zu lesen.
Das Gundelkraut sagte mir bisher gar nichts.
Möge dich eine zufriedene neue Woche erfreuen lieber Syrdal.
Mit lieben Grüßen ❤️ lichst Marlen 

Syrdal

@Marlen13

Nun, liebe Marlen, belehren möchte ich ja nicht, hingegen aber vielleicht ein wenig Freude bereiten, die mitunter auch auf etwas aufmerksam macht, das man bislang kaum oder gar nicht beachtet hat. Möge die Freude daran anhaltend sein und mit gediegener Zufriedenheit einhergehen.
Dies sei ein herzlicher Abendgruß von
Syrdal
 

indeed

Lieber Syrdal,

lieben Dank für diesen deinen Beitrag und für die damit verbundene "Lehrstunde" über das Gundelkraut. Sehr wertvoll auch die im Nachsatz genannten Informationen bezüglich des Einsatzes in den verschiedensten Bereichen dieses Krautes bis hin zu Kochrezepten.

Deine Performance ist wie immer super. Sehr schöne Fotos und immer wieder bewundere ich deine Sprachgewandtheit, alles wunderschön in einem poetischen Päckchen zu servieren.

Es ist immer wieder schön, dich zu lesen.

Liebe Abendgrüße zu dir 
von Ingrid

 

Syrdal

@indeed

Es freut mich, lieb Ingrid, wenn meine kleines Gedicht nicht nur gefällt, sondern auch ein wenig dazu beitragen kann, ein wenig an in Vergessenheit geratenes Wissen und die damit einhergehenden Erfahrungen unserer naturverbundenen Vorfahren zu erinnern. Viele wunderbare Naturschätze wurden durch "moderne Künstlichkeiten" verdrängt, weil sie oft schneller wirken (wie ein grober Holzhammer), aber zu welchem Preis! Langzeit-Nebenwirkungen mit nicht selten erheblichen Folgen bleiben zumeist unbeachtet. Hingegen wirken spezielle Pflanzenheilstoffe bei richtiger Anwendung und fein justierter Dosierung überwiegend sanft. Aber sie setzen - bei aller Anerkennung auch der modernen Möglichkeiten im Bereich der Allopathie - auf etwas, das es in unserer hektifizierten Lebensweise kaum noch gibt... Geduld und Vertrauen auf die Heilkraft der Natur.
Ebenso abendliche Grüße zu dir von
Syrdal
 
 

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