Altwerden: Unterwegs auf unbekanntem Gelände


Altwerden: Unterwegs auf unbekanntem Gelände
14. Februar 2026

Guten Tag allerseits!

Alt zu werden und alt zu sein ist ein Prozess, den jeder auf ganz eigene, individuelle Weise erlebt.

Erfahrungen über diesen Lebensabschnitt, auf die wir zurückgreifen könnten, haben wir naturgemäß nicht; wir bewegen uns auf unbekanntem Gelände.

Manche kommen gut damit zurecht, ohne feste Planung durchs Leben zu gehen und sich aufs Improvisieren zu verlassen. Vielleicht, weil sie davon überzeugt sind, dass man nur Weniges voraussehen kann und dass es sinnlos ist, sich über Unvorhersehbares Gedanken zu machen.

Für andere wiederum ist das Älterwerden ein furchteinflößender
Prozess; sie durchleben ihn mit Ängsten und Sorgen.

Die allermeisten bewegen sich zwischen diesen beiden Extremen.

Wie dem auch sei: In jedem Fall kann ein wenig Orientierung, die uns hilft, uns in diesem unbekannten Gelände zurechtzufinden, nichts schaden.

Wo finden wir solche Orientierung?

Erstens können wir beobachten, wie andere den Lebensabschnitt 50+ gestalten, und aus diesen Beobachtungen lernen (Vorbildfunktion).

Zweitens können wir unsere Altersgenossen direkt nach ihren Erfahrungen fragen. Diese Möglichkeit ist besonders effektiv: Sie liefert Erkenntnisse aus erster Hand, unmittelbar aus der Praxis.

Drittens gibt es Tausende Ratgeber zum Thema Altern und Altsein. Angesichts dieser Fülle ist es ratsam, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Auf dem Ratgeber-Markt wird sehr viel Geld verdient, und wo viel Geld im Spiel ist, sind windige Angebote und Scharlatane aller Couleur („Schlangenölverkäufer“) nicht weit.

Die Frage ist: Lohnt sich die Lektüre solcher Ratgeber?

Es kommt darauf an. Die Inhalte reichen von albern über trivial bis hin zu fundiert.

Wenn man sich amüsieren will, greift man eher zu den albernen. Beispiel:

„Nimm ein rohes Ei und lass es mit Freude auf den Boden fallen. Schau dir die Bescherung eine Minute lang an und achte genau auf deine Gefühle dabei. Dann lass das Ei einfach liegen und schau mal, wie lange dir das gelingt.“ [*]

Wenn man sich ärgern will, greift man eher zu den trivialen, wie „Sei, was du schon bist“ oder „Alles ist erst mal schwer, bevor es einfach wird.“

Wenn man echten Rat sucht, greift man zu den nützlichen. Beispiel:

„Flexibel einschlafen. Ich zwinge mich nie zum Schlafen, sondern gehe erst zu Bett, wenn ich mich tatsächlich schläfrig fühle. Dadurch kann meine Schlafenszeit von Nacht zu Nacht leicht variieren, aber ich schlafe stets schnell ein.“ [Alicia Roth, Schlafexpertin an der Cleveland Clinic]

Und nun noch ein guter Rat von mir: „Macht Euch ein schönes Wochenende.“

Herzliche Grüße
Kurt20
 

[*] Betz, Robert: Werde, der du sein willst: Schlüssel-Gedanken für ein neues Leben. München: GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH, 2015.

Kommentare (12)

werderanerin

Lieber Kurt,

jeder wird mit dem Tag der Geburt altern, das ist ein ganz natürlicher, nicht zu vermeidener Prozess. Eines jedoch weiß ich, ist man jünger, hat man gar keine Gedanken an das "Alter", alt sind ja nur Oma und Opa z.B., obwohl das so natürlich auch nie stimmte.

Altern heute unterscheidet sich für mich nur dadurch, dass man dies irgendwie bewusster mitbekommt, kein Wunder..., es zwickt mal hier, mal dort, die Augen wurden schlechter, das hören irgendwie auch, der Verschleiß insgesamt wird einfach mal mehr verspürt.

Das alles heißt aber nicht, das man Alt ist. Ich habe es schon öfter geschrieben..., "alt" oder das, was man dem so anhaftet, ist man doch nur, wenn man innerlich nicht mehr teilnimmt, sich zurück zieht. Das aber machen ja sogar junge Menschen heute.

Also - alt an sich gibt es nicht. Jeder altert, das ist richtig, solange ich aber im Kopf guter Dinge bin, ist alles okay. Es hat ja auch Vorteile, wie Gelassenheit, weniger Stress und machen können, was einem beliebt. Das finde ich zumindest...und mach mir keine großen Gedanken darüber, denn genau das macht alt.

Das ewige Nachgedenke...

Kristine

Kurt20

@werderanerin  

17. Februar 2026
 
Liebe Kristine, 
 
das kann ich alles zu 100 % unterschreiben. 

Schön, dass es so viele „alte Hasen und Häsinnen“ gibt, die mit Gelassenheit und Optimismus durchs Leben gehen.
 
Mir fällt es schwer, mit Menschen umzugehen, die sich älter machen, als sie sind. Ich rede nicht von jenen, denen ihr Alter wirklich zusetzt, für die jeder Tag zur Qual wird. Ich meine die „Auf‑alt-Macher“, die noch recht gut in Schuss sind, denen es gutgeht und die trotzdem fortwährend jammern und lamentieren.

*** 
Mein früherer Kollege Klaus schrieb mir an meinem vorigen Geburtstag:
 
Kurt, alter Junge,

schon wieder ein Jahr vorbei, es ist zum Mäusemelken! Nichtsdestotrotz: wünsche ich Dir alles erdenklich Gute zu Deinem Geburtstag.

78 ist eine schöne Zahl! Aber die Anzahl der Jahre, die wir bisher auf dieser Welt zugange sind, hat ja sowieso keine Bedeutung.

Wir machen in alter Frische weiter und scheren uns nicht darum, ob das „den anderen“ gefällt oder nicht. Was „man in dem Alter tut oder nicht“, das bestimmen immer noch wir. Gott sei Dank. Und möge das bitte noch lange so bleiben: möglichst gesund, fit, froh und trinkfest. 
 
Nicht nur mit unserer „Großelternschaft“, sondern auch mit unserer Gesundheit haben wir beide wohl bisher ziemlich viel Glück gehabt. Wenn ich mir andere Oldtimer unseres Jahrgangs anschaue, so scheinen wir doch bisher recht ordentlich über die Runden gekommen zu sein. 
 
Ein paar Zentimeter geschrumpft in den letzten Jahren, das eine oder andere Knacken im Gelenk und das Haupthaar auf dem Rückzug („Der Mensch wird schließlich mangelhaft, die Locke wird hinweggerafft …“); alles erträglich, oder? 

Du schreibst: Die Hauptsache, es ist nichts Lebensbedrohliches und man kann ohne wesentliche Einschränkung der Lebensqualität damit umgehen. Genau!

Und solange Ersatzteile lieferbar sind (bei mir ein paar Stents im Laufe der letzten Jahre), machen wir frisch, fromm, fröhlich weiter.
 
So, ich gehe jetzt zum Kühlschrank, hole mir ein Bier und trinke es auf Dein Wohl. Prost! 

Feiert noch schön und sei herzlich gegrüßt von Klaus.

 
Der Klaus funkt auf unserer Wellenlänge, Kristine. Nehmen wir ihn in den "Klub der heiteren Graurücken" auf?
 
Bis demnächst, 
herzliche Grüße 
Kurt

Kurt20

@werderanerin  

17. Februar 2026

Danke liebe Kristine,

​​​​​​​bin gerade heimgekommen (nein, ich bin kein Fastnachter 😉).

Ich melde mich morgen nochmal. Bis dann.

Gute Nacht und herzliche Grüße

Kurt

Songeur

Hallo Kurt,

alt geworden bin ich ganz ohne Ratschläge, irgendwie ging das automatisch.

Für mich halte ich das so: Brauche ich für das Leben im Alter noch Ratschläge, gebe ich besser den Löffel ab. Irgend etwas muss ich dann im Vorlauf falsch gemacht haben.

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir und allen die hier lesen und/oder schreiben.

Herzliche Grüße
Hubert

Kurt20

@Songeur  

16. Februar 2026

Hallo Hubert,

Du bist ja ganz schön streng mit Dir, Hubert. Im Prinzip hast Du vielleicht recht, es geht auch ohne.

Aber oft ist es doch hilfreich, wenn wir uns auf unbekanntem Terrain bewegen, jemanden um Rat fragen zu können, der sich dort besser auskennt als wir. Das beginnt schon bei ganz praktischen Dingen wie: „Was hilft gegen Wadenkrämpfe?“ 😉

Dazu kommt: Ratgeber erhöhen unsere Effektivität.

Vor einiger Zeit waren wir, meine Frau und ich, unterwegs, den „Schlemmer-Atlas“ im Gepäck. Wir haben ihn als Ratgeber genutzt und im ganzen Land Lokale angesteuert, die gute Küche und zugleich eine Übernachtungsmöglichkeit boten.

Jeden Abend wurde fürstlich getafelt, ohne dabei den Genuss geistiger Getränke zu vernachlässigen. Danach sind wir zufrieden, gesättigt und angenehm bettschwer in tiefen Schlaf versunken, um am nächsten Morgen, nach einem opulenten Frühstück, die nächste Station anzusteuern.

So ist es uns gelungen, innerhalb von nur 14 Tagen unser Körpergewicht und unseren Leibesumfang um mehr als 20 % zu steigern.

Ohne Ratgeber hätten wir das nicht geschafft! 😉

Bis bald, lieber Hubert,

herzliche Grüße

Kurt

 

Winterbraut

Lieber Kurt,

Ich bin alt und weiß gar nicht mehr, wie ich dazu gekommen bin.
Scheinbar ganz ohne Anleitungen und frei von Botox.
Meine Knochen erinnern mich  ab und zu und dann setz ich mich hin und halte die Füße ganz still....

...so wie jetzt, nach dem Lesen deines Gedichtes.

Liebe Grüße 
Ingrid

 

Kurt20

@Winterbraut  

15. Februar 2026

Ja, liebe Ingrid, manchmal kommt man zu irgendetwas, ohne zu wissen wie. Erinnerungen aus der Jugend werden wach …

Auf jeden Fall haben wir es bis hierher geschafft und das ist doch gar nicht mal so schlecht, oder?

Nicht nur die Knochen erinnern mich daran, dass meine Laufleistung beachtlich ist, sondern eigentlich alle Bauteile. Leider lässt sich der Kilometerstand nicht zurückdrehen.

Bleibt uns nur die Devise Erich Honeckers: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!"

Obwohl ich den Kerl nicht ausstehen konnte - wo er recht hatte, hatte er recht 😉.

Auf geht’s.

Herzliche Grüße
Kurt

Ingira

Hallo Kurt,
Altern wird oft als Verlust der Attraktivität und der Leistungsfähigkeit gesehen. Man kann dagegen etwas tun mit Sport, Bewegung und gesunder Ernährung.
Man sollte aber nicht auf alles verzichten (Glas Wein oder Stück Kuchen)
Soziale Kontakte sind ebenso wichtig.
Angst entsteht aus Sorge vor Krankheit, Armut und Einsamkeit. Die wenigisten schaffen es, bis ins hohe Alter gesund zu bleiben .Auch der Verlust des Ehepartners  bringt eine neue Lebenssituation, die man bewältigen muß.
Ich lebe mein Leben sehr bewußt, plane noch viele Reisen, und bin dankbar für alles was ich erlebt habe.
Herzliche Grüße von Ingrid

Kurt20

@Ingira  

15. Februar 2026

Liebe Ingrid,

Verluste im Alter - wahrscheinlich wissen hier alle, wovon Du sprichst. Der Zahn der Zeit nagt unaufhörlich an uns. Etwas dagegen zu tun, ist eine gute Idee, doch allzu oft bleibt es beim Vorsatz (zumindest bei mir).

„Bei diesem Sauwetter rausgehen?“ frage ich mich zum Bespiel gerade.

Gewusst ist leider noch nicht getan. Der Grad des inneren Widerstands kann zwischen „moderat“ und „heftig“ schwanken. Bei mir: meistens heftig 😉.

Da helfen manchmal kleine erfinderischer Tricks:

 „1000 Schritte am Tag? Finde ich gut. Aber dafür muss ich nicht raus bei diesem Sauwetter. Bewegen kann ich mich auch Indoor. Zwischen Küche (wo der Eierlikör steht!) und Bett.

Der Journalist Imre Grimm schreibt dazu: „Drinnen ist es schön. Mein Körper braucht kein Sonnenlicht. Ich arbeite nicht mit Photosynthese, ich arbeite mit Steak und Pommes.“

Scherz beiseite: Wenn es Möglichkeiten gibt, den Prozess des Alterns zu verlangsamen, wäre es vernünftig, diese Möglichkeiten zu nutzen. Leider aber haben wir auf vieles, was diesen Prozess vorantreibt, kaum Einfluss: Gene, Erkrankungen, Unfälle, Schicksalsschläge verschiedenster Art ... Das Leben kann brutal sein.

Da müssen wir durch. Ich denke, mit Deiner Strategie „Ich lebe mein Leben sehr bewußt, plane noch viele Reisen, und bin dankbar für alles, was ich erlebt habe“ bist Du bestens gerüstet.

Herzliche Grüße
Kurt

Ingira

@Kurt20  
vielen Dank Kurt, jeder muß seinen eigenen Weg finden...

Liebe Grüße von Ingrid.

Christine62laechel



Also, lieber Kurt, mein Schlangenöl gegen Gedanken über das Alter ist: nicht daran denken. Es fällt mir wirklich schwer, alt zu werden, denn meine Kindheit und Jugendzeit konnte ich oder durfte nicht richtig so erleben, wie es sich gehört. Und es gab dafür keine solchen Gründe, wie zum Beispiel Krieg, oder eine echt schwere Krankheit; das waren Umstände, die es einfach störten, und ich konnte es nicht ändern. Was ich da nachholen kann, tue ich noch gerne, ohne - hoffentlich - kindisch zu werden. Mein Spiegel lässt sich ja sowieso nicht betrügen. Solange möglich aber, möchte ich mich für eine erwachsene bis ältere Person halten, nicht mehr. Ich glaube, so bleibt man wohl wirklich länger ziemlich fit, vor allem mental, und das ist das Wichtigste. 

Mit Grüßen
Christine

 

Kurt20

@Christine62laechel

15. Januar 2026
 
Liebe Christine,

eine leicht rosarot getönte Brille erleichtert das Leben ungemein. Sie schützt vor unnötigen, negativen Grübeleien, die ein großes Übel sind und uns das Leben vergiften. Nicht andauernd an Negatives zu denken, ist ein wirksames Gegengift. Genau das ist auch meine Strategie.

„Verdrängung“? „Vogel-Strauß-Methode“? Möglicherweise. Aber wirkungsvoll („Wer heilt hat recht“)

Doch hin und wieder, nicht allzu oft, vielleicht viermal pro Woche, schaue ich bewusst darauf, wie elend es manchen Menschen im Alter ergeht, die ein wirklich schweres Los haben.

Diese kleine Übung hilft mir, die Bäume nicht in den Himmel wachsen zu lassen. Sie erinnert mich daran, wie gut ich es im Leben getroffen habe, wie fragil dieser Zustand ist und dass ich gar nicht dankbar genug dafür sein kann.

Einen schönen Sonntag und herzliche Grüße
Kurt

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