Alte Weisheiten, heiter betrachtet (Teil 2)
Liebe Mitmenschen reiferen Alters, guten Tag!
Man kann das Älterwerden und das Altsein aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Jede Perspektive enthält ein Stückchen Wahrheit. Die „richtige“ Sichtweise gibt es nicht, dafür ist die Realität zu komplex. Schon deshalb, weil wir Menschen sehr unterschiedlich altern.
Ob man das Alter als Freund oder Feind betrachtet, macht den entscheidenden Unterschied.
Eine leicht rosarot gefärbte Brille tut (mir) gut. Trotzdem liegt es mir fern, das Altwerden und das Alter zu glorifizieren. Aber mich auf die positiven Seiten zu konzentrieren, diese Freiheit nehm‘ ich mir 😉.
Sprichwörter und Lebensweisheiten leisten dabei gute Dienste.
Können uns Sprichwörter und Lebensweisheiten zum Thema Alter aufmuntern, wenn wir wieder einmal verzagt sind? Bei mir funktioniert das (zumindest manchmal):
Wenn ich mich aus meinem Sessel erhebe,
kommt mir in den Sinn „Alte Karren gerne knarren“. Und gleich danach denke ich: „Das gehört dazu, deshalb bist du noch lange nicht schrottreif!“
Wenn mich ein junger Spund belehren will,
finde ich in meinem Arsenal: „Neue Besen kehren gut, aber die alten kennen die Ecken.“ Oder: „Was ein alter Mann im Sitzen sieht, sieht ein junger nicht im Stehen.“ Die afrikanische Variante klingt noch besser: „Was ein alter Mann im Sitzen sehen kann, sieht ein junger nicht einmal vom höchsten Iroko-Baum.“
Wenn ich in den Spiegel blicke und erschrecke,
tröste ich mich mit: „Alte Geigen spielen die schönsten Melodien“ oder „In alten Töpfen kocht man die beste Suppe“.
Wenn ich die Leiter auf nassen Rasen stelle,
an der Dachrinne hänge und die Nachbarin mich nach fünf Minuten rettet, höre ich sie leise sagen: „Alter schützt vor Torheit nicht.“
Das allerdings empfinde ich nicht als besonders aufmunternd😉.
Herzliche Grüße
Kurt20

Quelle: Meyer, Jürgen Bona: Erziehungsweisheit im Sprichwort. Die Gegenwart: Zeitschrift für Literatur, Wirtschaftsleben und Kunst, 1887, 6. Jg.
Kommentare (8)
@Kurt20
Sind wir nicht Alle mit unseren Falten eine durchaus liebenswerte Spezies, denn jede Falte zeugt von unseren Gesichtsaktivitäten. Ein Glück sieht man Freud und Leid, auch das kann ja niemand verhindern. Sind wir doch in „Gottes Hand“ und vertrauen auf die „Macht der Liebe“
Viele Sprüche verwenden wir täglich ohne darüber nachzudenken, einfach so, sie sind im Sprachgebrauch, selbstverständlich. Danke, für Deine positiven Erinnerungen und Danke das Du mit Deinen Blogs uns Freude bereitest. Das war mit mal ein Anliegen Kurt, Gruss von Moni
@Schmetterling04
05. Februar 2026
Hallo Moni,
Du schreibst: „Danke, dass Du mit Deinen Blogs uns Freude bereitest.“
Ich danke Dir, Moni. Ich bin gerade ein kleines Stück gewachsen 😉.
Du schreibst außerdem: „Viele Sprüche verwenden wir täglich, ohne darüber nachzudenken. Sie sind einfach da, selbstverständlich.“
Früher habe ich tatsächlich nicht so sehr darauf geachtet. Doch seit meinem letzten Blogbeitrag und der positiven Resonanz darauf habe ich offenbar „Blut geleckt“.
Plötzlich begegnen mir überall Sprichwörter und Redewendungen.
Die Sprichwörterei hat mich richtig gepackt. Ich stoße immer wieder auf Formulierungen, die das Herz erfreuen.
Für meinen nächsten Beitrag sammle ich gerade Beispiele dafür, wie erheiternd es sein kann, wenn man Sprichwörter falsch gebraucht oder bewusst verdreht („verballhornt“). Das kann absichtlich oder unabsichtlich passieren — in beiden Fällen sorgt es oft für Heiterkeit.
Ein paar Beispiele:
- „Der Mensch lebt nicht von Bier allein“
- „Wir haben den Rochen gebraten“
- „Rente gut – alles gut“
- „Der Scheck heiligt die Mittel“
- „Gutes Rad ist teuer“
- „Aller Mannfang ist schwer“
- „Lieber natürliche Dummheit als künstliche Intelligenz“
herzliche Grüße
Kurt
All das, lieber Kurt frage ich mich so garnicht. Warum auch, ist doch eh mein Problem oder das, was ich daraus machen könnte.
Ich nehme das Leben und das "Alter" genauso an, wie es kommt, mit all den guten aber durchaus auch mal blöden Seiten. Na und...
Ich erinnere mich sehr gerne an die Jugendweihe meines Enkels (nicht lange her), ...irgendwann sagte er zu mir..., Omi, sag mal, wo hast du denn die tolle Hose her, so eine möchte ich auch..., war ich glücklich. Das wirkte noch nach und mein Enkel meinte dann, bist ne ganz tolle und modische Omi.
Kristine
@werderanerin
05. Februar 2026
Hallo Kristine,
Du schreibst: „Ich nehme das Leben und das "Alter" genauso an, wie es kommt, mit all den guten aber durchaus auch mal blöden Seiten“.
Genauso halte ich es auch. (Aber mal ehrlich: Was bleibt uns denn auch anderes übrig?)
Deinen Blickwinkel auf das Altwerden hast Du kurz und knapp beschrieben mit „Na und?“
Ich glaube, das entspricht genau auch meinem Ansatz.
Ich habe mir das sogar aufgeschrieben, um es nicht zu vergessen [denn „Wenn Du älter wirst, verändern sich drei Dinge. Erstens, Dein Gedächtnis leidet … Und die anderen beiden fallen mir gerade nicht ein“ 😉].
Hier meine Strategie in Kurzform:
Akzeptiere, was sich ereignet, sofern es sich als unabänderlich erweist. Es ist wie es ist. Schulterzucken und zur Tagesordnung übergehen. Selbstmitgefühl, Heiterkeit, Ruhe und Gelassenheit dürfen niemals [!] durch „den Gang der Dinge“ beeinträchtigt werden.
Natürlich: Grau ist alle Theorie. Aber als Richtschnur taugt das – genau wie Dein „Na und“ – bestimmt ganz gut.
In diesem Sinne: bis bald,
herzliche Grüße
Kurt
Hallo Kurt,
Ich setze mal kurzentschlossen meine rosarote Brille (die ich sowieso öfters auf der Nase trage) auf , um dir zu versichern, dass ich persönlich das "Alter schützt vor Torheit nicht" durchaus als Kompliment betrachten kann. Warum sollen wir uns im Alter keine etwas gewagten Experimente oder "Torheiten" mehr leisten können? Noch leben wir.... danach haben wir eine ewig lange Zeit, um perfekt zu sein . 😊
Und noch ein schönes Sprichwort aus Italien:
" Der junge Mensch läuft schneller als der alte.
Aber der alte Mensch kennt den Weg."
Gruß
Cécile
@cecile
05. Februar 2026
Hallo Cécile,
über kurz oder lang wird auch uns Frohnaturen das Altern den einen oder anderen Tritt versetzen. Mit den Jahren werden leider jene Tage häufiger, an denen das Leben Sperrmüll in unsere Gärten kippt.
Daran führt kein Weg vorbei. Es sei denn, wir treten vorzeitig ab, was ja auch keine Lösung ist. (Wie Du sagst: die Ewigkeit dauert ewig lange 😉).
Doch solange es noch einigermaßen geht, werden wir Lebensfreude und Zuversicht bewahren und gut darauf achten, dass uns der Humor nicht abhandenkommt. Ich nehme an, damit bist Du einverstanden.
Mehr können wir nicht tun – und das ist im Grunde auch mehr als genug.
Bis bald,
herzliche Grüße
Kurt
Lieber Kurt,
vielen Dank für diesen humorvollen und mein "altes" Herz (Jahrgang 1938) erwärmenden Beitrag! Mein Lebensmotto lautet übrigens:
(Joachim Ringelnatz)
Fred