Alte Hunde, neue Tricks


Alte Hunde, neue Tricks

18. Juni 2026

Guten Tag allerseits!

An den meisten Tagen trinke ich ein oder zwei Gläser Wein oder Bier. Will ich diese Gewohnheit loswerden, etwa weil es der gerade herrschende Zeitgeist es so empfiehlt? Nicht im Traum denke ich daran!

Anders verhält es sich mit der Grübelei, die mich manchmal erfasst. Der habe ich den Kampf angesagt. Sie stört mein Wohlbefinden, was ich ganz und gar nicht schätze.

Bringt Grübeln etwas? Auf jeden Fall kann es uns piesacken und erhebliche Verwüstungen in unserer Befindlichkeit anrichten.

Lässt sich mit Grübeln die Wirklichkeit verändern? Lässt sich mit Grübeln Unheil verhindern? Die Antwort liegt auf der Hand.

Grübeln ist eine Gewohnheit. Gewohnheiten sind mächtig. Aber sie lassen sich verändern. Im Laufe unseres Lebens haben sie sich in unserer Steuerungszentrale festgesetzt. Jetzt ist es vielleicht an der Zeit, die ein oder andere von dort zu entfernen.

Man kann sich fast jedes Verhalten abgewöhnen

Die Erkenntnis, dass das auch im reiferen Alter noch funktioniert, (sogar nach dem zweiten oder dritten Frühling😉), ist relativ neu.

Unsere Eltern dachten: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ oder „Einem alten Hund kann man keine Kunststücke mehr beibringen.“

Der Vater der amerikanischen Psychologie, William James, schrieb 1890 zur Frage, ob man das Verhalten erwachsener Menschen umformen kann: „The plaster has set“ . Das bedeutet: der Gips ist ausgehärtet.

Diese Annahme ist seit einiger Zeit durch die moderne Wissenschaft widerlegt. [1], [2], [3], [4]

Leider fallen damit auch die schönen Ausreden weg, mit denen man sich rechtfertigen konnte, wenn man keine Lust auf Veränderungen hatte.😉

....

Ich mache mich also daran, die Grübelei aus meinem Leben zu entfernen.

Ein Erfahrungsbericht folgt und dazu die Beschreibung einiger Methoden, mit denen man sein Verhalten verändern kann.

Also dann „bis demnächst in diesem Theater“, ich freue mich auf Euren Besuch.

Herzliche Grüße
Kurt

***

[1] Spitzer, Manfred: Geist im Netz: Modelle für Lernen, Denken und Verhalten. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 2002.

[2] Doidge, Norman: Neustart im Kopf: Wie sich unser Gehirn selbst repariert. Aus dem Amerikanischen von Jochen Lehner. Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2008.

[3] Hüther, Gerald: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2006.

[4] Hanson, Rick: Das resiliente Gehirn: Wie Sie innere Stärke und Gelassenheit aufbauen. Aus dem Amerikanischen von Jürgen Neubauer. München: Arbor Verlag, 2018.

Kommentare (7)

Globetrotter

Lieber Kurt,
da bin ich auf deinen weiteren Bericht gespannt. Die Grübelei verfolgt mich seit meiner Kindheit und eine brauchbare Lösung die Abhilfe schafft habe ich noch nicht gefunden. Dazu gehören auch dumme Sprüche wie:
Ablenkung....denke positiv....liebe dich selbst...hätte, hätte Fahrradkette....Schnee von gestern...
ebenso wie die neunmalklugen Kalendersprüche die es überall (auch hier im ST)  zu lesen gibt, welche ich sofort, wie mein tägliches Horoskop übrigens auch, nach 2 Sekunden wieder vergessen habe.
LG Gisela🙋‍♀️

Kurt20

@Globetrotter  

21. Juni 2026
 
Liebe Gisela,
 
danke für Deinen Kommentar.

Ja, diese Ratschläge à la „Denk doch einfach positiv“ oder „Lass die Vergangenheit ruhen“ sind gut gemeint, aber unsere Gehirne lassen sich davon nicht beeindrucken, leider.😉

Die ständige Grübelei ist eine schlechte Angewohnheit.

Was ich bisher darüber gelesen habe: Mit gutem Willen kommt man dagegen nicht an. Auch nicht mit der vielgerühmten Willenskraft, wie man früher glaubte.

Der derzeitige Stand scheint zu sein: Das wirksamste Mittel gegen eine schlechte Gewohnheit heißt Wiederholung.

Was muss wiederholt werden?

Das ständige, bewusste Unterbrechen der Grübelschleife und das sofortige Umlenken der Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt. Vielleicht auf das Ticken des Weckers oder auf den Atem. Ich zähle von 100 an rückwärts.

Jedes Mal, wenn das Gehirn in das alte Muster zurückfallen will, holt man es sofort wieder zurück.

Dieses sture, langweilige Wiederholen muss man so lange durchhalten, immer und immer wieder, bis die unerwünschte Gewohnheit im Gehirn überschrieben ist.

Das ist stupide, zäh und kann ziemlich nervig sein. Aber es scheint zu wirken.

Ich bleibe auf jeden Fall dran.

Herzliche Grüße
Kurt

ladybird

Lieber Kurt,
das GRÜBELN ist nur ein Balast? Gerne beginnt er kurz vor dem einschlafen?
Seit meine Tochter statt Grübeln= "KOPFKINO" dazu nannte, habe ich mir mal kurz aufgeschrieben, wenn bei meinem  Kopfkino, der Film riß.Das passierte meistens...( es kam NIE so, wie ergrübelt).
So habe ich mir angewöhnt, bevor ich einschlafe, beim beginnenden 
Kopfkino, schnellstens den Vorhang fallen lasse........es ist sonderbar, aber mir hilft es tatsächlich...
Dein Artikel ist interessant,danke
mit Gruß 
🐞-Renate 

Kurt20

@ladybird  21. Juni 2026

Liebe Renate,

vielen Dank für Deinen Kommentar,
das Bild vom „Kopfkino“, bei dem man rechtzeitig den Vorhang fallen lässt, gefällt mir.

Du hast recht: Die meisten der Katastrophen, die man sich bei diesen Grübeleien ausmalt, treten niemals ein. Und wenn doch, hätte man sie auch durch Grübeln nicht verhindern können.

Aber vielleicht gibt es auch das gute Grübeln; Agathe hat mich darauf gebracht.

Das würde bedeuten, dass man sich vor dem Einschlafen oder wenn man im Morgengrauen erwacht, heitere Filme vorspielt. Wird bei nächster Gelegenheit ausprobiert.

Übrigens, bevor ich es vergesse, nachträglich herzliche Glückwünsche zu Deinem Geburtstag.

Bis demnächst.
❤️-liche Grüße
Kurt

Globetrotter

@ladybird  
liebe Renate,
verrate mir doch bitte mal wie du das machst?
LG Gisela🙋‍♀️

Agathe

Ich grüble... und grüble...
Und weiss dazu nichts zu sagen.

Aber das denken und hinterfragen 
will ich mir nicht abgewöhnen.
Es ist ein Teil von mir.

Hab trotzdem ein schönes Wochenende.
Liebe Grüsse, Agathe 

Kurt20

@Agathe  

18. Juni 2026

Danke liebe Agathe,

diese Art von Grübeln ist doch mit das Beste, was wir tun können. Es macht Spaß, hält geistig fit und manchmal kommt sogar etwas Interessantes dabei heraus.

Nennen wir es das gute Grübeln.

Wovor man sich hüten sollte (meine ich), ist das schlechte Grübeln. Dieses kann ganz schön nerven und uns den Tag (und die Nacht) vermiesen.

Ich wünsche Dir ebenfalls ein schönes Wochenende und viele Stunden guten Grübelns.

Herzliche Grüße
Kurt

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