Alltagsgeschickten aus Dänemark


Alltagsgeschickten aus Dänemark



Landschaften schenken uns fast überall neue Eindrücke. Manchmal schenken sie uns aber auch Erinnerungen.

So geht es mir jedes Jahr Ende Juli, wenn ich an den weiten Kornfeldern vorbeifahre.

Dann fällt mir ganz von selbst der Anfang von Hans Christian Andersens Märchen: 

Das hässliche Entleinein:

„Es war so herrlich draußen auf dem Lande. Es war Sommer, das Korn stand gelb, der Hafer grün, das Heu war unten auf den grünen Wiesen in Schobern aufgesetzt, und der Storch ging auf seinen langen roten Beinen und plapperte ägyptisch …“


Es ist nicht einmal das Märchen selbst, an das ich denke.

Es sind diese wenigen Sätze.

Seit meiner Kindheit tauchen sie immer wieder auf, sobald ich im Sommer die gelben Kornfelder sehe.

Vieles hat sich verändert. Die Heuschober gehören längst der Vergangenheit an.

Aber das Korn steht noch immer da – so, wie es schon mein ganzes Leben lang gestanden hat.

Und gerade das empfinde ich als etwas Tröstliches.

Kommentare (8)

Schnuck


Dein Text hat mich sofort an meine eigene Kindheit erinnert. Es ist erstaunlich, wie bestimmte Bilder oder Düfte Erinnerungen wachrufen können, die jahrzehntelang irgendwo in uns geschlummert haben.
Ich durfte meine ersten sieben Lebensjahre in einem kleinen Dorf in Mecklenburg verbringen. Im Sommer gehörten die weiten Kornfelder ganz selbstverständlich zu meiner Welt. Besonders schön waren für mich die leuchtend roten Mohnblumen und die blauen Kornblumen, die zwischen den Ähren wuchsen. Diese Farben, das Rascheln des Korns im Wind und die warme Sommersonne – all das ist bis heute tief in meiner Erinnerung geblieben.
Vielleicht sind es genau diese frühen Eindrücke, die uns ein Leben lang begleiten. Sie schenken uns das Gefühl von Heimat und Geborgenheit, selbst wenn sich im Laufe der Jahre vieles verändert hat. Wenn ich heute Kornfelder sehe, denke ich nicht nur an die Landschaft, sondern an diese unbeschwerte Zeit meiner Kindheit. Deshalb kann ich sehr gut nachvollziehen, was du mit dem Tröstlichen meinst, das von den Feldern ausgeht. Manche Bilder verlieren ihre Kraft einfach nie.
mit Grüssle

LiseDK

@Schnuck  
Vielen Dank für Deinen schönen Kommentar.
Vielleicht sind es tatsächlich die Erinnerungen aus unserer Kindheit, die solche Landschaften für uns so besonders machen. Deine Beschreibung mit dem Mohn und den Kornblumen hat mir sehr gefallen.
Herzliche Grüße
Lise

Rosi65


Nach vielen Jahrzehnten stand ich wieder vor dem Schulgebäude meiner Kindheit, um es für meine Schulfreundin zu fotografieren.

Zu meiner Überraschung war mir alles vertraut, genauso wie früher. Nein, nichts hatte sich verändert. Sogar die großen Platanenbäume waren alle noch da.
Ich fühlte mich kurz wieder wie eine Schülerin, die plötzlich in das vergangene Zeitfenster der 60er Jahre gestolpert war.
Fast war ich mir sicher unsere frühere Rektorin zu sehen, die aus dem Haupteingang eilte, nur um mich nach dem Sinn und Zweck meiner Fotos zu fragen.
Eine fast wehmütige Freude erfüllte mich in diesem Moment.

Deshalb kann ich mir, liebe Lise, Deine Emotionen bei dem Anblick der gelben Kornfelder gut vorstellen.

Herzliche Grüße
   Rosi65

 

LiseDK

Liebe Rosi,
danke für Deine schöne Erinnerung. Ich glaube, solche Momente kennen viele von uns – plötzlich fühlt sich die Vergangenheit für einen Augenblick ganz nah an.
Herzliche Grüße
Lise

Heiner13

Obwohl auf dem Bauernhof gross geworden, und ich fast mein ganzes Berufsleben in der Landwirtschaft verbracht habe, kommt mein Trost eher vom Betrachten eines alten Baumes, eines Sees oder einer wiederkehrenden Blumenwiese. Vielleicht verbinde ich mit Getreidefeldern einfach Arbeit, schnelle Entscheidungen und Wetterprobleme.

Aber der "Trost" aus der Natur ist für mich mit zunehmenden Alter auch sehr wichtig geworden und es klappt wunderbar🍀😊🌳

LiseDK

Lieber Heiner,
vielleicht war „Trost“ gar nicht das richtige Wort. Beim Schreiben dachte ich eher an ein Gefühl von Vertrautheit und Beständigkeit.
Und da hat wohl jeder seine eigenen Bilder vor Augen – für dich der alte Baum oder die Blumenwiese, für mich das Kornfeld.
Herzliche Grüße
Lise

Roxanna

Das verstehe ich sehr gut, dass manches, was so geblieben ist, wie es immer war, tröstlich sein kann. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit und vieles ändert sich rasant, was auch überfordern kann. Die Natur kann, wie ich empfinde, oft eine Trösterin sein.

Ich freue mich auf weitere Geschichten von dir, liebe LiseDK. Ich habe einfach das Du verwendet, wie es hier im Forum üblich ist und hoffe, es ist dir recht.

Lieben Gruß
Brigitte/Roxanna

LiseDK

Liebe Brigitte/Roxana
ja, gerade die Natur kann einem in unserer schnelllebigen Zeit ein Gefühl von Beständigkeit geben.
Und natürlich ist das Du für mich völlig in Ordnung.
Herzliche Grüße
Lise

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